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Sonntag, 8. Oktober 2017

Premiere Curioso: „Venedig im Schnee“

(Darmstadt) Das Theater Curioso präsentiert am 27.Okt. 2017 um 20:00 im Theater Moller Haus, Sandstr. 10 in Darmstadt die satirische Komödie von Gilles Dyrek „Venedig im Schnee“. Weitere Vorstellungen sind am 28.10., 02.11., 03.11. und 24.11. auch jeweils um 20:00. 
Handlung: Patricia und Christophe sind bei dessen früherem Studienfreund Jean-Luc und seiner Verlobten Nathalie zum Abendessen eingeladen. Doch was harmlos beginnt, endet furios. Denn während das Gastgeberpärchen um die Wette turtelt, können die Gäste ihre Beziehungskrise nur mühsam überspielen. Patricias Schweigsamkeit erklären sich die Gastgeber damit, dass sie Ausländerin ist. Ein Missverständnis, das diese dankbar aufgreift und voll diebischer Freude ein Feuer schürt, das nicht nur Christophe in den Wahnsinn treibt, sondern auch die heile Welt der Gastgeber zum Einstürzen bringt.

Weitere Infos unter: www.theater-curioso.de
Kartenreservierungen: 06151 - 26540 oder www.theatermollerhaus.de

Samstag, 7. Oktober 2017

„Lebenswerke“ in der Wallerie

(Bremen) Die Galerie im Walle Center zeigt ab dem 12.10. - 18.11.2017 Bilder der beiden Künstlerin Roswitha Clages und dem Künstler Hermann Zeidler. Die Ausstellungseröffnung findet am Do. von 10:00 bis 21:00 statt.

Lebenswerke – ist eine ungewöhnliche Nachlassausstellung eines zu Lebzeiten getrennten Paares, welches nun nach dem Tod, über die Kunst erneut vereint sind.
Hermann Zeidler, Bremer bildender Künstler studierte in Hamburg und war in den 80er Jahren in der Hansestadt eine bekannte Größe. Er hinterließ zahlreiche Werke im öffentlichen Raum. Er war besonders in seinen Portraitarbeiten. Das wohl bekannteste Werk dieser Ausdrucksform Zeidlers ist das Portrait von Wilhelm Kaisen, das heute in der Wilhelm Kaisen Stiftung zu betrachten ist. Zeidler verstarb im Dezember 2009.
Im Jahre 2016 verstarb Roswitha Clages. Clages, die Exfrau von Hermann Zeidler, nahm nach der Trennung ihren Geburtsnamen wieder an. Während der Ehejahre war es, der ebenfalls studierten Künstlerin, durch ihren Mann untersagt zu malen. Ab Ende der 80er Jahre, nach der Trennung, widmete sie sich vollends der Kunst und diese wurde zu ihrem Lebensinhalt. Auch sie erlangte öffentliche Aufmerksamkeit.
Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt aus dem Nachlass dieser beiden Künstler. In vielen Werken wird dadurch erstmalig auch ihre künstlerische Nähe zueinander deutlich. Roswitha Clages war Ende der 50er Jahre auch Schülerin Zeidlers.

Die Ausstellung zeigt über 120 Werke in Öl, Ölpastell, Aquarell, Acryl und Skizzen in verschiedenen Formaten.

Montag, 2. Oktober 2017

Wolken sind ziehender Ärger

(Hannover) Ein Gastspiel des Klecks-Theaters Hannover erwartet sie im Theater an der Glocksee an diesem Wochenende dem 07.Okt. 2017 um 20:00 mit „Wolken sind ziehender Ärger“ von Ad de Bont.
Ein Mann, Gerrit Neuhaus, und eine Frau, Helga Lauenstein, befinden sich in scheinbar klaren Verhältnissen: Er zunächst ohne eigene Meinung, sie kämpft gegen Chaos, Unwissenheit und Sittenverfall. Das Wer-ist-was-Spiel über Beziehungen, Macht und Abhängigkeiten bewegt sich zwischen Absurdität und Tragik, Witz und Wahnsinn. Ein abrupter Rollentausch wirft Fragen auf: Wer hat hier recht? Wer hat sogar mehr recht? Hat hier niemand recht?
Ad de Bonts Stück ist ein absurder Theaterabend über Machtkämpfe und die Definition der eigenen Wahrheit - ein Spiel mit der Liebe und mit der Wut, ein amüsantes und fortwährendes Ringen um die Lufthoheit über die jeweilige Situation. Mit dem wechselnden Dominanzstreben der jeweiligen Figur wird eines deutlich – es gibt keine absoluten Wahrheiten.
Wer der Bestimmer ist, bestimmt auch, wer recht haben darf.
Die als Klassenzimmerstück entwickelte mobile Inszenierung, Regie Laetitia Mazzotti, des Klecks-Theaters kommt nun als einmaliges Gastspiel - diesmal auch für Erwachsene - ans THEATER an der GLOCKSEE.
Karten zu 14 € / 10 € erm. gibt es unter Tel.: 0511 - 161 3936

Dienstag, 8. August 2017

Grenzen sprengende Inszenierung an der Glocksee

© by Jonas Wömpner
(Hannover) Am vergangenem Samstag hatte das Ensemble am Theater an der Glocksee Premiere mit der Uraufführung des Stücks „Der Bau oder die Gründung des Fight Club Dachs“ Das Theater war schon am Vortag bis auf den letzten Platz ausverkauft, und das Publikum wurde mit einer starken Inszenierung über Ausgrenzung und Schutz der Identität überrascht. Das engagierte Ensemble hatte sich diesem nur schwer zugänglichem Thema intensiv genähert, das Publikum schon im Probenprozess mit eingebunden und so ein beeindruckendes Bild entworfen. Der lang anhaltende Schlussapplaus zeigte wie dieses theatrale Wagnis aufging. 

Die Parolen der Identitären sind so unfassbar dumm, widersprüchlich, inhuman und aus einer infantilen Angst geboren, die nicht einmal im Entferntesten Kultur und Zivilisation entsprechen. Vielleicht ist diese Reaktion aus der Unfähigkeit oder Verantwortungslosigkeit geboren, mit denen die führenden Politiker Europas, oder sogar weltweit, ihren Wählern begegnen, mit der sie um jeden Preis alle auch noch so abstrusen Forderungen der Wirtschaft Raum geben und gnadenlos durch setzen. Man beachte nur dass die derzeit diskutierten internationalen Handelsabkommen, wie z.B. Ceta und TTIP, die Rechtsstaaten ad absurdum führen. Wenn die Wählerschaft mit nur marginalen Informationen gefüttert wird ohne dass diese sich ein begründetes Urteil bilden kann, sollte es doch niemanden wundern, wenn sich ein Gefühl der Ohnmacht und Unverstandenheit ausbreitet; der Nährboden für krudes Gedankengut wie es dann z.B. durch protektionistischen Gruppierungen wie die Identitären, Pegida oder der AfD gespiegelt wird. Menschen die nur innerhalb ihres eigenen Tellerrands ihren geistigen Blick schweifen lassen, werden kaum in der Lage sein verwertbare Schlüsse auf das politische Gefüge des eigenen Landes, und schon gar nicht Europas, zu ziehen. Dieses inzestuöse Gedankengut, in dem sich durch einzelne Parolen viele Menschen die sich zurückgelassen fühlen wiederfinden, bietet nur wenig Angriffsfläche und wuchert in seiner glitschigen Erscheinungsform im diffusen Meinungssumpf auf der Ebene von Tratsch und Klatsch - jedoch nicht auf der Ebene einer erwachsenen politischen Auseinandersetzung und Lösungsfindung der realen Probleme unserer Zeit. 

Man kann unumwunden und voller Respekt den Hut ziehen wie das Ensemble vom Theater an der Glocksee den Mut aufbrachte so ein Thema zu bearbeiten. Denn im Theater, in der Dramaturgie, braucht es einen Schurken (oder Protagonisten) der sich im Laufe des Stücks wandelt. Doch hier ist der Protagonist einfach nicht zu greifen. Es gibt kein klares Bild, vielleicht mehr ein System, oder ein inneres unreflektiertes Gefühl, eine auf schlecht informierter Basis gebildete Meinung, eben etwas Diffuses. Oder wie sonst sollte man ein Gedankengut bewerten dass einen sogenannten „großen Austausch“ befürchtet. Das ist mindestens so aus der Luft gegriffen wie seiner Zeit die Angsttreiberei vor den Juden. Ebenso wie die Reaktion Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer zu versenken damit die Flüchtlinge ertrinken mögen um das Problem so zu lösen. Mit dieser Theaterproduktion gelangt das Ensemble an der Glocksee an die Grenzen der Kommunikationsform des Theaters selbst. In der Vergangenheit konnte man große politische Bewegungen an einzelnen Personen darstellen, wenn man z.B. an Schillers Wallenstein oder Büchners Danton denkt. Doch dieses Thema begründet nicht auf einen Schuldigen/Schurken/Leidenden, Das Thema ist mehr eine notwenige Bewusstwerdung, einer ernsthafteren Beschäftigung mit den Strömungen unserer Zeit. Vielleicht ist sogar der Gang zur Wahlurne erst möglich, wenn man ein intensives Studium der Verhältnisse absolvierte, um nicht als mündiger Demokrat und Wähler ein Spielball von geschickten Werbestrategien zu werden. 

© by Jonas Wömpner
Um dieses Myzel gesellschaftlicher Meinungsbildung zu greifen hat die Regisseurin Milena Fischer aus drei Ressourcen eine Beschreibung geflochten die sich wie ein komplexer Gedanke über den gesamten Abend spannt. Die Geschichte die durch den Abend führt ist „Der Bau“, eine unvollendete Erzählung von Franz Kafka. Diese Fabel um einen Dachs in seinem Bau, verbindet sie dann mit Aussagen aus David Finchers Film „Fight Club“ in der die empfundene Ohnmacht durch extreme Reaktionen, wie eben Faustkämpfe, kompensiert wird. Die dritte Zutat in diesem Cocktail sind Zitate aus den aufkeimenden rechten Bewegungen wie z.B. den Identitären. Ein Gefühl von Heimat wird gezeigt, seine berechtigte Verbundenheit damit und auch die manipulative Nutzung des Heimatgefühls. Fischer legt hier eine Arbeit vor die über mehrere Jahre intensiver Recherche entstanden ist, und man spürt das Herzblut mit dem das Stück geschrieben wurde. Während der Probenwochen gab es drei Treffen im Theater, in der das Ensemble eine wechselnde Gruppe besonders interessierter Theatergänger einlud um sie im Entstehungsprozess einzubinden und zur mitwirkenden Kritik ermunterte. So entstand auf vielen Ebenen eine künstlerische Arbeit die auf ähnlichen Wegen geformt wurde wie das Thema sich selbst zeigt, systemisch und gemeinschaftlich/gesellschaftlich.

Der Schritt von der komplexen Idee in die praktische Handlung des Theaters wurde hier mit einem treffenden Bild vollzogen (Bühne von Britta Bremer). Der Theaterboden war mit Rindenmulch abgedeckt, so entstand sofort der Eindruck, man befände sich im Wald. Die diffuse Beleuchtung, die Anordnung der Tribünen, die karge, urbane Gestaltung des Raums selbst weisen auf das Innere eines unterirdischen Baus. Wie ein vielschichtiger lebendiger Organismus erzählt dann der Dachs, gespielt von Yves Dudziak, Lena Kußmann und Jonas Vietzke, als choreografierte, dynamische Einheit von seinem Bau. Man wird in einer Mischung aus Spannung, eruptiven Wechseln, und stillen, einkehrenden Momenten in das Geschehen hineingezogen. Die Grenze zwischen Zuschauer und Bühnengeschehen wird dünn, löst sich zuweilen auf, und man kann nicht länger als Betrachter nur da sitzen, man ist involviert. Diesen schmalen Pfad, zwischen professioneller Darstellung eines theatralen Moments und der konkreten Einbindung der Zuschauer, wanderten die drei Akteure mit sicheren Schritten. Eine gelungene Einladung die eigene Distanziertheit abzulegen um Teil eines größeren Ganzen zu werden. Und das ist auch die Empfehlung die hier ausgesprochen werden darf: Verpassen sie nicht die Begegnung mit diesem Stück und der daraus sicher folgenden Diskussion über die Verantwortung die jeder von uns trägt.


„Der Bau oder die Gründung des Fight Club Dachs“. Kostüme Hanna Peter, Choreografie Henrik Kaalund. 
Siehe auch: Fight Club Dachs
Weitere Vorstellungen:  09., 11., 12., 16., 18.,19., 23., 26. August und 06., 09., 20., 22., 23. und 27. September 2017 Beginn jeweils 20:00 
Kartenreservierungen zu 14,00€ und 10,00€ unter Tel.: 0511 - 161 3936 oder über: www.theater-an-der-glocksee.de

Freitag, 4. August 2017

Premiere an der Glocksee

© Jonas Vietzke
(Hannover) Morgen am Samstag den 05. Aug. 2017 um 20:00 ist die Premiere von „Der Bau oder die Gründung des Fight Club Dachs“ im Theater an der Glocksee in Hannover. Es gibt noch einige Karten, eine Reservierung empfiehlt sich dennoch.

In den vergangenen Wochen habe ich hier schon zwei Mal von den Proben des neuen Stücks berichtet. Am Mittwoch zur ersten Hauptprobe waren die V.I.P.‘s noch einmal eingeladen um den Blick hinter die Kulissen zu wagen. Ein dachsartiges Wesen spricht über seinen Bau unter der Erde sein Zuhause, sein Stück Heimat. Doch dann wird der Friede unter der Erde gestört - von einem Fremden unbekannten Wesen, einem Feind wohlmöglich?

Nach dem Stück von Franz Kafka „Der Bau“ und weiteren umfangreichen Recherchen entstand dieses Stück in der Regie von Milena Fischer mit dem Glocksee-Ensemble. Es darf ein energetischer Theaterabend erwartet werden der sich den Absurditäten der aktuellen Strömungen von Protektionismus und Verschwörungstheorien entgegen stellt.


Siehe auch die Artikel: Einführung und Probenbesuch
Kartenreservierung: www.theater-an-der-glocksee.de

Montag, 31. Juli 2017

Gegenstandsfreie geometrische Abstraktionen

(Otterndorf) Seit dem 16. July wird im Museum gegenstandsfreier Kunst John Nixon ausgestellt. Die Ausstellung kann noch bis zum 01. Oktober 2017 in der Zeit von Di. bis Fr. 10:00-13:00 und 15:00-18:00, sowie Sa., So. + Feiertags von 15:00-18:00 besucht werden
Seit den frühen 1970er Jahren untersucht John Nixon die Prinzipien von minimalistischer und geometrischer Abstraktion. Seine persönliche Palette von Primär- und Sekundärfarben, die Auswahl konventioneller und weniger konventioneller Materialien und eine starke Beziehung zu dem ihm umgebenden Raum sind der Schlüssel zu Nixons eigener Kunstform, die ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert findet. Nixons künstlerische Motivation speiste sich anfangs aus der Minimal Art der späten sechziger Jahre, der Konzeptkunst und der Arte Povera; später und bis heute verarbeitet er Einflüsse des frühen russischen Konstruktivismus, des Futurismus und des Fauvismus – Bewegungen, die ihre Herausforderung darin suchten, die Funktion und den Zweck von Kunst neu zu definieren.
Die Ausstellung bietet einen Querschnitt verschiedener Aspekte aktueller Arbeiten des Künstlers: Collagen, Zeichnungen, Radierungen, Fotografien und Videos. Jede dieser Disziplin unterliegt eigenen Gesetzen, bietet so individuelle Möglichkeiten und zeigt Nixons Werk aus unterschiedlichen Perspektiven. Dem Betrachter wird so ein umfassender Blick hinter John Nixons noch nicht abgeschlossenem Projekt der Beschäftigung mit der Abstraktion ermöglicht.
John Nixon wurde 1949 in Sydney, Australien geboren. Er studierte von 1969 bis 1970 an der National Gallery of Victoria School of Art. Nixon stellt seine Werke seit den frühen siebziger Jahren weltweit aus. Viele davon befinden sich in Sammlungen wie der Daimler Kunstsammlung in Stuttgart oder in der Stiftung für konkrete Kunst in Reutlingen.

Freitag, 28. Juli 2017

Tags, Graffitis, Adbuster und vieles mehr

© by Kunsthalle Wilhelmshaven
(Wilhelmshaven) Farben- und Ideenvielfalt ist das erste was einem in den Sinn kommt, wenn man die Arbeiten der Ausstellung ungeniert/engagiert in der Kunsthalle Wilhelmshaven sieht. Gezeigt wird bis zum 24. Sept. 2017 die sogenannte Street Art. Beteiligt sind 16 Künstler und Künstlergruppen aus verschiedenen Teilen der Welt. Man findet bekannte Urgesteine sowie jüngere Akteure, es gibt die studierten Künstler mit unterschiedlichen Abschlüssen und Autodidakten, es gibt die real anwesenden Künstler und es gibt Anonyme. Was sie vereint ist eine subkulturelle Aktivität, in der sie sich engagiert und kritisch auf künstlerischem Wege mit den Themen ihrer Zeit und Umgebung beschäftigen. Eine Kunst die jenseits vom etablierten Kunstmarkt zu finden ist, ihm aber nichts an Wert und Talent nachsteht.

Eine Woche vor Ausstellungsbeginn reisten die Künstler an und bearbeiteten die Räume der Kunsthalle. Die Wände - ja die gesamte Architektur der Kunsthalle - bietet sich dafür sehr gut an. Im Kernpunkt der Halle steht eine Sichtbeton Stele die drei Ebenen miteinander verbindet. Die Wände sind meist aus Ziegelsteinen und bieten somit die Bedingungen als wäre es ein öffentlicher Platz. Nur dieser Raum ist eben überdacht und nicht dem Wetter ausgesetzt. Lediglich zwei Arbeiten sind aus Berlin herangeschafft worden. Alle anderen Werke sind in der Kunsthalle original entstanden. Zum größten Teil sind diese Arbeiten auch nicht abzunehmen. Nach der Ausstellung werden sie entfernt oder Übermalt. Diese Vergänglichkeit hat Matthieu Martin sich gewählt um damit eine Dokumentation zu schaffen. Er hat die Graffitis fotografiert die von Hauseigentümern mit einer grauen Farbe übermalt wurden. Es ist ein Statement um zu zeigen, die Kunst ist da auch wenn sie nicht zu sehen ist. Als hätte sich der Versuch die Botschaft ausradieren zu wollen ins Gegenteil verkehrt. Dies ist einer der bemerkenswerten Züge der Street Art - Eigentumsanspruch. Die Vergänglichkeit durch Witterung oder Beschädigung oder Entfernung/Übermalung ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten. Die Künstler untereinander haben ihre Codes und Regeln wie und wann sie Arbeiten befreundeter Künstler übermalen. Der Erhalt der Arbeiten ist nicht das Ziel. Vielmehr ist es die kreative Äußerung die durch kein Gesetzt oder Staatsgewalt verhindert werden kann. So findet man den Schriftzug 1UP überall an Stellen die kaum zu erreichen, oder strikt verboten sind. IUP bedeutet One united Power. Man kann nicht genau sagen wie viele Sprayer ihn ausführen (es mögen mehrere Dutzend sein), denn sie sind anonym. Bei ihren Aktionen, die U-Bahn-surfen mit einschließen, machen sie manchmal kleine Filme die auch in Wilhelmshaven zu sehen sind.

Aber nicht alles wird im verbotenem Umfeld ausgeführt, oder wird zumindest doch geduldet. Da sind z.B. die kleine Figuren von Joy. Sie sind wie kleine Installationen im öffentlichem Raum zu finden und sollen einen Moment der Freude in die Herzen der Entdecker zaubern. Oder da sind Marx und Engels die überlebensgroß von einem Berliner Denkmal in Pappmache abgenommen wurden. Oder das Haus aus Pappe, mit dem das Problem der Gentrifizierung in einem Berliner Stadtteil nachgestellt wird. Detailgetreu ist da ein Mehrfamilienhaus aus Kartons aufgebaut in denen die verschiedenen Massnahmen und Schritte dargestellt werden wie ein Stadtteil sein Gesicht verliert. Politische Aussage ist oft ein zentraler Punkt in den Street Art Werken.

© by Kunsthalle Wilhelmshaven
Die Kuratorin Caro Eickhoff hat hier eine Auswahl getroffen die viele Facetten der Street Art spiegeln. Eickhoff ist selbständig tätig und veranstaltet Führungen durch Berlin um den Gästen die Kunstwerke zu zeigen die die Stadt zu bieten hat. Sie ist auch am 3. Aug. um 19:00 bei der Küstendebatte anwesend wenn Yety, Skore79 und weitere Gäste in der Kunsthalle die Frage erörtern: Ist Street Art politisch? Eine weitere Veranstaltung ist z.B. die „Secret Signs Tours“ durch Wilhelmshaven am 17. Aug. ebenfalls um 19:00 die von Skore79 geleitet wird. Wilhelmshaven zeigt in diesem Sommer noch mehr Street Art. Am 05. und 06. Aug. findet zum siebten Mal das Int. Street Art Festival statt bei dem Straßenmaler aus aller Welt in der Innenstadt zu Gast sein werden. Im Küstenmuseum findet ab 25. Aug. die Ausstellung mit dem Titel: Von der Subkultur zum Kunstobjekt - Eine Street Art-Fotodokumentation von Uwe Wohlmacher statt. Dort sind großformatige Fotografien aus einem Jahrzehnt des Journalisten zu sehen, die er in Berlin und Wilhelmshaven geschossen hat. 


Weitere Informationen zu den vielen Veranstaltungen rund um Street Art in diesem Sommer in Wilhelmshaven unter: Kunsthalle Wilhelmshaven