Inh. Friedo Stucke, Kastanienbogen 8 in 21776 Wanna  eigene.werte@t-online.de

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Komm Morgen wieder, Wirklichkeit

(Bremen) Andreas Krämers KOMM MORGEN WIEDER, WIRKLICHKEIT ist ein eigenartig schräges und sehr persönlich-ur-komisches Soloprogramm. Die Stärken des in Bremen lebenden Schauspielers Krämer liegen in der Instrumentenbeherrschung.
“Er ist ein virtuoser Pianist und arrangiert phantasievoll weitere Lautlieferanten dazu. Krämer liefert einen urkomischen Beitrag, indem er einen nüchternen Text aus dem Schweizer Telefonbuch in drei Sprachen übersetzt“. Mit theatralischen Gesten im Italienischen und Französischen.... Lieder von der Liebe, Songs vom Sterben: eine Reise durch die Nacht.
Im Theaterhaus Schnürschuh am Samstag den 10. Jan. um 20:00

Samstag, 27. Dezember 2014

Der Tod und das Meer

Sonderausstellung im Museum "Windstärke 10" in Cuxhaven

Der Tod und das Meer @ Altonaer Museum
(Cuxhaven) Schiffsuntergänge und ihre tragischen Folgen bilden einen Schwerpunkt in Cuxhavens maritimen Museum "Windstärke 10". Eine große Sonderausstellung beschäftigt sich bis zum 26. April 2015  mit der Darstellung von Seenot und Schiffbruch in Kunst, Geschichte und Kultur.

Wie das Meer die Menschen ernährte, so mussten sie auch lernen, mit dessen Gefahren umzugehen. Seenot und Schiffbruch sind eine beständige Erfahrung und Bedrohung der Seefahrt. Trotz wachsender Erkenntnisse in Schiffbau und Navigation ist die Unsinkbarkeit bis heute ein unerfüllter Traum. Die Naturgewalt des Meeres bleibt dem Menschen stets überlegen. Doch auch Eis, Feuer und Kollisionen, schroffe Küsten, Untiefen, Strömungen und Sturmfluten, Mangelernährung und Krankheit, Meuterei und Piraterie stellen mitunter tödliche Gefahren für die Seefahrt dar – zum Teil bis heute.

Spektakuläre Schiffsunglücke wie die Strandung des Auswandererschiffs „Johanne“ 1854 oder der Untergang des Luxusdampfers „Titanic“ 1912 haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben. Sie markieren Zäsuren in der Geschichte der Seeschifffahrt und weisen als Symbol und Mythos weit über das tatsächliche Ereignis hinaus. Es ist aber vor allem das alltägliche Wagnis der Seefahrt, das die Mentalität der Seeleute, Hafen- und Küstenbewohner geprägt hat.

"Der Tod und das Meer" präsentiert eine Auswahl von Graphiken und Gemälden aus sechs Jahrhunderten. Darunter sind dramatische Ansichten von der Naturgewalt des Meeres, Allegorien über die Seefahrt als Lebensreise, schaurige Darstellungen vom Totentanz, Bildnisse vom Warten, Hoffen, Trauern und Erinnern sowie Darstellungen von der Rettung aus Sturm und Not. Darüber hinaus erzählen historische Objekte und Dokumente von Schiffbrüchigen und Seenotrettern und verdeutlichen damit, wie der Tod immer wieder mit an Bord geht.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Flensburger Schifffahrtsmuseums und der Graphiksammlung „Mensch und Tod“ am Institut für Geschichte der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Diese hochkarätige, international einmalige Sammlung druckgraphischer Werke vom 15. Jahrhundert bis heute umfasst eine Reihe von Motiven rund um den Tod und das Meer. Ein weiterer Projektpartner ist der Hamburger Historiker Prof. Dr. Norbert Fischer, der in seiner Forschungsarbeit die Formen des Totengedenkens entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste erforscht und auf Basis einer Dokumentation zu einer Theorie der maritimen Gedächtnislandschaft verdichtet hat. 

Graphiksammlung und Landschaftsdokumentation bilden die Klammer, innerhalb derer die Ausstellung das Thema „Tod und Meer“ untersucht. Zahlreiche Museen sowie private Leihgeber haben mit ihren Kunstwerken und Objekten zu dieser ungewöhnlichen Ausstellung beigetragen. Die Ausstellung und der begleitende Katalog vermitteln einen facettenreichen Einblick in die maritime Sepulkralkultur, der erstmals kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf den „nassen Tod“ miteinander verbindet. 


Die Ausstellung "Der Tod und das Meer" ist bis zum 26. April 2015 täglich außer montags von 10.00 bis 17.00 Uhr zu sehen. Am Montag, dem 29. Dezember und am Montag, dem 05. Januar ist das Museum ebenfalls geöffnet.

„Honka“ - Ein Hauch von „Chicago“

© by Marcus Renner
(Hamburg) Wenn man vom Musical „Chicago“, Regie Rob Marshall 2005, den Hollywoodglitter abklopft und die Tanzeinlagen streicht, dann ist man in etwa beim Mordsspektakel mit Musik von Eva Engelbach und Marcel Weinand: Honka - Frauenmörder von Altona. Das soll keineswegs eine Abwertung sein. Im Gegenteil, die beiden haben hier einen für das norddeutsche Gemüt treffenden Stil gefunden, der dem Kabarett sehr nahe kommt. Mit der typischen Hamburger Steifheit und einem trockenen Witz der keine Umschweife kennt, ist es eine schwarze Komödie mit doppelten Böden. Andererseits ist es aber auch eine Revue oder Show, denn es sind einzelne Bilder mit großen Zeitsprüngen. Es ist jedenfalls vielschichtig im Stil und klar in der Kommunikation, was dem musikalischem Einfluss von Eva Engelbach am Piano zu verdanken ist. Sehr schön gestaltet sind auch die Charaktere, besonders durch die individuell ausgefeilten maskenbildnerischen Ideen von Katja Wiggers.

Hamburger Berg der 70er Jahre. Das war eine Zeit in der die Herren, wenn sie besoffen heimzogen, in Hauseingänge pinkelten. In den Kaschemmen bekam man ein halben Liter (Bier) aus der Flasche „serviert“, ein Begriff der dort Niemandem über die Lippen kam. Dafür konnte man sich für 5,00Mark einen blasen lassen, von einer Prostituierten die mindestens genauso besoffen war wie man selbst. In diesem Milieu spielt die Geschichte um Fritz Honka, der Frauenmörder von Ottensen. Erwischt wurde er weil durch ein Zimmerbrand zufällig in einer Abseite seiner Wohnung diverse Körperteile von vier verschiedenen Frauen gefunden wurden. Honka wird überführt, verurteilt und einige Jahre später begnadigt. Es ist vielleicht interessant zu wissen, dass alle Aussagen rein spekulativ sind. Marcel Weinand, der mit Honka den zweiten Teil seiner Trilogie um Serienmörder vorlegt, hat massenweise Zeitungen studiert in denen mehr Tratsch als Nachrichten über den Fall Honka standen. Damit schaffen Engelbach und Weinand ein treffliches Soziogramm der 70er Jahre, und genauso trefflich ist streckenweise die Sprache. Doch dann gibt es auch eine Liedersprache die an Kurt Weill und Bert Brecht erinnert. Dann wiederum kommt eine Ebene von gereimter Kunstsprache, die man aus oben erwähnten Musical „Chicago“ kennt. Die Idee der Gerichtsverhandlung z.B. könnte von da inspiriert sein, aber hier entsteht eine eigenständige Melodie, einen staubtrockenen Dialog mit Witz und Wirkung vorzutragen. Auf diese Weise halten sich die unterschiedlichsten und gegensätzlichsten Ebenen die Waage: Die Betroffenheit, die man mitfühlt, wenn die Prostituierten von ihren Sehnsüchten sprechen. Die derben Ausdrücke die das soziale Umfeld beschreiben. Die bessere Bürgerschicht die mit Verachtung und Ekel über die Tat in den Zeitungen lesen. Oder die von korrumpierter Ethik gefärbte Rechtsprechung; dies alles sind die vielen klar gezeichneten Ebenen die über Spekulation hinaus weisen.


Ich ertappe mich dabei, mich zu fragen, was sich in den letzten vierzig Jahren kulturell alles geändert hat in Bezug auf Hygiene, Bildung, Umgangsformen? Diese Unterschiede werden an dem Abend in dem ausverkauften Haus überaus deutlich. Das Publikum war nicht immer auf die schonungslose Derbheit der Worte gefasst und war auch nicht geneigt bei etwas hintergründigen Gags mitzugehen: Sagt die eine (Prostituierte), von neuen Schuhen bekomme sie immer Blasen. Sagt die andere, bei ihr wäre es anders herum. (Kein Lacher war zu hören.) Vielleicht regte „Honka - Frauenmörder von Altona“ viel mehr zum Nachdenken an als man glauben möchte. Das Publikum bedanke sich für den Abend jedenfalls mit angeregtem Applaus. LICHTHOF THEATER

Donnerstag, 25. Dezember 2014

100 Jahre Stadtmuseum Oldenburg

(Oldenburg) Am 1. Januar 1915 trat die Stadt Oldenburg das Erbe des Sammlers und Kunstmäzens Theodor Francksen an. Sie übernahm damit gleichzeitig die Verpflichtung, die umfangreichen, in den beiden Villen des Gründers untergebrachten Sammlungen als ‚Heimatmuseum‘ zugänglich zu machen. Noch heute bildet der von Francksen hinterlassene Bestand an Objekten insbesondere zur Kunst- und Kulturgeschichte Oldenburgs den Kern des Stadtmuseums. Die Jubiläumsausstellung „100 Jahre Stadtmuseum Oldenburg“ würdigt das Leben und Wirken des Museumsstifters Francksen und die wechselvolle Geschichte des Hauses und präsentiert herausragende Stücke der Kunstsammlung.


In der ersten Ausstellungsabteilung stehen bislang unbekannte Exponate aus dem persönlichen Nachlass Theodor Francksens im Mittelpunkt. Daran schließt sich der zentrale Teil der Präsentation an, in dem Museums- und Stadtentwicklung anhand von ausgewählten Sammlungsstücken miteinander verknüpft werden. Interaktive, aufwändige Installationen wenden sich den Perspektiven für die Entwicklung von Stadtmuseum einerseits und Stadt anderseits zu. Viele Oldenburger, die hier geboren oder zugezogen sind, kommen zu Wort. Abschließend erleben die Besucher herausragende Stücke der Kunstsammlung im klassischen Stil der Petersburger Hängung. Dazu zählen Kupferstiche von Albrecht Dürer, Radierungen von Francisco de Goya und Max Klinger ebenso wie Gemälde von Franz Radziwill oder Skulpturen von Udo Reimann. Dem Besucher erschließt sich so exemplarisch der Facettenreichtum einer mittlerweile ein Jahrhundert andauernden Sammlungstätigkeit für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Feb. geöffnet.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Neujahrskonzert Philharmonische Orchester Bremerhaven

© by Andreas Etter
«Alles Walzer – Neujahr in Wien»

Am Neujahrstag 2015, um 17.00 Uhr präsentiert das Stadttheater Bremerhaven erstmals ein Neujahrskonzert. Unter dem Titel «Alles Walzer – Neujahr in Wien» erklingen neben den beliebten Walzern, Polkas und Ouvertüren von Johann Strauss Sohn auch Werke anderer berühmter Komponisten der goldenen Ära des Wiener Walzers wie Franz Lehár und Emil Waldteufel. Das Philharmonische Orchester Bremerhaven spielt unter der Leitung des Generalmusikdirektors Marc Niemann.

Begleitet wird das musikalische Programm vom Musikkabarettisten Georg Renz, der moderierend durch den Abend führt und mit einem Augenzwinkern einen satirischen Ausblick auf das neue Jahr gibt.

Das Konzert ist bereits ausverkauft.

Montag, 22. Dezember 2014

Generalmusikdirektor verlässt Oldenburgische Staatstheater 

Roger Epple © Olaf Martens
(Oldenburg) Im gegenseitigen Einvernehmen gab Generalmusikdirektor am Dienstag im Verwaltungsausschuss bekannt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wird. Dieser läuft im Sommer 2016 aus, solange wird er am Oldenburgischen Staatstheater tätig bleiben.
Generalintendant Christian Firmbach bedauert diesen Schritt sehr und muss nun die Suche nach einem Nachfolger beginnen. Roger Epple war zur Spielzeit 2012/13 ans Staatstheater gekommen und hat vor allem den Konzertspielplan charakteristisch geprägt. Darüber hinaus liegt die musikalische Leitung zahlreicher Musiktheaterproduktionen in seinen Händen, in dieser Spielzeit sind es ,Falstaff‘ und ,Le nozze die Figaro‘.


Roger Epple zählt zu den profiliertesten deutschen Dirigenten seiner Generation. Nach festen Dirigentenpositionen an der Oper Leipzig und am Mannheimer Nationaltheater war er acht Jahre lang Generalmusikdirektor am Opernhaus Halle. Er dirigierte circa 80 namhafte Orchester in Asien, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Europa, etwa die Rundfunksinfonieorchester von Paris, Amsterdam, Berlin, Dublin und Leipzig, des SWR (Baden-Baden und Freiburg), das Orchestre National de Belgique Brüssel, das Deutsche Sinfonieorchester Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, Sao Paulo Symphony Orchestra, Mexico City Philharmonic, das Shanghai Symphony Orchestra, das Singapore Symphony Orchestra, Royal Flanders Philharmonic, das National Symphony Orchestra of Taiwan, die meisten deutschen Staatsorchester, aber auch hervorragende Spezialensembles wie Concerto Köln, Musique oblique Paris oder das Ensemble Modern. Als Gastdirigent leitete er Opernaufführungen z.B. an der Staatsoper Berlin (Ariadne auf Naxos), an der Hamburgischen Staatsoper (Fidelio), an der Deutschen Oper Berlin (Zauberflöte), in Paris (Elegy for young lovers), an der Oper Leipzig (Così fan tutte), am Opernhaus Graz (Enrico), am Nationaltheater München (Kassandra), am Staatstheater am Gärtnerplatz München (Freischütz), am Aalto-Theater Essen (Rake’s Progress), an der Stuttgarter Staatsoper (Wozzeck), an der Oper Köln (Das schlaue Füchslein) und bei den renommierten Festivals von San Sebastián (Ariadne auf Naxos), Taipeh (Hänsel und Gretel), Peralada/ Barcelona (Elektra), Luzern, Florenz, Dresden, Strasbourg und München. Sein umfangreiches sinfonisches Repertoire enthält neben den Standardwerken auch über 40 Uraufführungen, darunter Werke von Wellesz, Schnittke, Dessau und zahlreicher bedeutender lebender Komponisten.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Premiere „Graus & Grimm“ fensterzurstadt.29

Carsten Hentrich, Heino Sellhorn u. Norman Grüß   © Klaus Fleige
(Hannover) Gestern Abend feierte das Theater fensterzurstadt.29 in der Alten Tankstelle in der Striehlstr. 14 Premiere mit der Uraufführung der Märchenbearbeitung „Graus & Grimm“.  Vier Aluminiumleitern ragen steil und schräg in den Himmel. Dazwischen ein kleiner Hügel oder Findling, im Vordergrund ein kleines Technik Ensemble - Mikrofon, Schaltmimik, Kabel, Soundkasten - und am Bühnenrand eine Bank auf der ein Mann (Carsten Hentrich) mit einem fest verschnürtem Bündel auf dem Rücken sitzt. Dann beginnt es zu schneien aus dem düsteren Himmel und eine Stimme beginnt ein Märchen zu erzählen (Alexandra Faruga). Derweil setzen sich suchend orientierend zwei Männer (Norman Grüß und Heino Sellhorn) in Bewegung und finden sich mit dem anderen auf der Bank. „Graus & Grimm“ hat begonnen.
Aus dem großen Märchenschatz sehen wir eine Auswahl verschiedener Bilder die zunächst allein nebeneinander stehen, sich im späteren Verlauf jedoch mehr und mehr zu einem Gesamtergebnis zusammen fügen. Die Themen drehen sich um Tod, Verlust, Aufrichtigkeit, Begehren, Sexualität, Idealbild und werden immer wieder auf den Begriff der Herzlichkeit gerichtet. Nicht jedes Bild wird mit einer Antwort entlassen. Durch die gleichsam behutsame Darstellung begibt man sich gerne in die schaurig-schönen, amüsant-komödiantischen Situationen.
Das Ensemble von Theater fensterzurstadt.29 hat keine Geschichte im engeren Sinn auf die Bühne gebracht. Es sind einzelne Bilder, die so verdichtet aneinander gefügt werden, dass ein größeres Bild mit neuem Namen Märchen entsteht. Es ist eine stille und berührende Erzählweise die mit einer herzlichen Dynamik und fantasievollem Spiel Welten entstehen lässt. Über ein Mikrofon wird eine kleine Abfolge von Tönen in einen Sampler gegeben der im Hintergrund eine Waldkulisse repräsentiert. Zusammen mit der Handlung entsteht eine zauberhafte Märchenwelt. So entsteht ein Lagerfeuer und einem Skelett wird Leben eingehaucht. Mit einem Schattenspiel überwinden sie auch Zeit und Raum um eine Geschichte in der Geschichte zu zeigen.
Das ist der Moment wo Erwachsene wieder zu Kinder werden. Mit riesigen staunenden Augen verfolgte das Publikum im ausverkauften Haus die Uraufführung. Und es dankte dem Ensemble mit Bravorufen und langem wohlverdienten Applaus.

Weitere Vorstellungen: 22. Dez.; 07., 09., 30., 31. Jan.; 04., 07., 13., 14., 20., 21., 28., Feb.; 06. und 07. März jewils um 20:00. Infos zum Theater:  fensterzurstadt.29

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Biographie Alma Mahler-Werfel von Susanne Rode-Breymann

(Oldenburg) Verführerische Nymphe oder wahnhaftes Weib – in den meisten Biographien über Alma Mahler-Werfel dominiert der männliche Blick. Susanne Rode-Breymann bietet in ihrer aktuellen Biographie ,Alma Mahler-Werfel. Muse, Gattin, Witwe‘ eine neue Sichtweise auf die Jahrhundertfrau an – auf eine Frau, die zahlreiche Komponisten, Dirigenten, Künstler und Literaten inspirierte und förderte und Kultur aktiv mit gestaltete. Auf Einladung des Instituts für Musik der Universität Oldenburg und des Freundeskreis des Oldenburgischen Staatstheaters stellt Rode-Breymann in einer Lesung die Biographie am Sonntag, 21. Dezember, 16 Uhr, im Oldenburgischen Staatstheater vor.
Alma Mahler-Werfel lebte an der Seite berühmter Männer. Am Klavier und komponierend nahm sie teil am Aufbruch in das 20. Jahrhundert. Von Wien aus ging sie mit Gustav Mahler in die Vereinigten Staaten. Ihren späteren Mann, den Schriftsteller Franz Werfel, begleitete sie dorthin ins Exil. Susanne Rode-Breymann entwirft auf der Grundlage eigener Forschungen ein differenziertes und faires Bild dieser faszinierenden Frau, die es verstand, sich immer wieder neu zu erfinden. Der Eintritt ist frei.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Kultur-News jetzt als Magazin am Kiosk

(Wanna) Viele Leser der Kultur-News wissen es schon, dieser Blog ist nur eine Form der kulturellen Berichterstattung vom Verlag (eigene.werte). Seit 2011 erscheint die Kultur-News im Print Format in einer Auflage von 2000 Expl. Der schmale Leporello wurde kostenlos an über 160 Stellen wie Museen, Theater, Kulturstätten etc. ausgelegt. Ab dem 15. Januar 2015 erscheint das Magazin als Heft. Aus dem kleinen Leporello ist ein 40 - 64seitiges Heft geworden. Prall gefüllt mit Kunst- und Kulturinformationen aus der Region erscheint das Magazin vierteljährlich jeweils Mitte Jan., April, July und Oktober. Ausserdem ist geplant ein Sonderheft zum Jahresende herauszugeben. Das streng ökonomische Design wurde zu Gunsten einer fundierten und vielfältigen Information gewählt. Der Werbeanteil im Heft liegt deutlich unter 20%. Das beschert dem Heft eine gewisse Unabhängigkeit, für ausführliche und kritische Nachrichten.

Der Inhalt besteht zu ca. einem Drittel mit Kritiken und Ankündigungen über das Freie Theater in Niedersachsen. Ein weiteres Drittel steht für die bildende Kunst bereit. Das letzte Drittel ist gefüllt mit Buchrezensionen, Terminen, einem etwas ausführlicherem Titelthema und weiteren Nachrichten. Darüber hinaus werden auch künftig aktuelle Meldungen über das kulturelle Leben in der Region auf diesem Blog veröffentlicht. Die Kultur-News legt einen Schwerpunkt in der Berichterstattung auf die wertvollen künstlerischen und kulturellen Aktivitäten neben dem Mainstream, die nicht genug im öffentlichen Fokus treten. Dadurch sollen die vielen und großartigen Potentiale der Region allen Lesern in der Region zugänglich gemacht werden.


Das Magazin ist an gut sortierten Kiosken ab 15. Jan. 2015 in Ostfriesland, im Elbe-Weser-Dreieck, Bremen und Hannover für nur 5,00€ erhältlich. Die Kultur-News kann auch versandkostenfrei direkt beim Verlag bestellt werden: eigene.werte@t-online.de

Montag, 15. Dezember 2014

Jubiläumsausstellung zeitgenössischer Buchkunst

(Hamburg) Vom 16. bis 18. Januar 2015 findet die 10. Norddeutsche Handpressenmesse BuchDruckKunst in der Stiftung Historische Museen, Museum der Arbeit statt.
Zum 10. Mal wird das Museum der Arbeit im Januar zum Forum zeitgenössischer Buchkunst: Mehr als 50 Künstlerinnen und Künstler präsentieren Handpressendrucke, Mappenwerke, Malerbücher, Künstlerbücher, Buchobjekte und Einblattdrucke und bieten diese zum Kauf an.
Im Laufe der Jahre haben mehr als 200 Künstler aus England, Frankreich, Holland, Irland, Italien, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Spanien und den USA mit ihren exclusiven Buch-Kunstwerken nicht nur passionierten Sammlern ein außerordentliches Vergnügen bereitet. Vielmehr erfreuen sie Menschen jeden Alters durch die spielerische und Fantasie anregende Vielfalt ihrer Themen sowie den grenzenlosen Einfallsreichtum ihrer Schöpfer.
Fündig werden können auch alle, die auf literarische Entdeckungsreise gehen: So manches Erstlingswerk erblickt das Licht der Welt in Form eines bibliophilen, künstlerisch gestalteten Pressendrucks.
Die Aussteller, die in der Regel zugleich Gestalter, Illustrator, Schriftsetzer, manchmal auch Buchbinder und dabei noch Verleger und Buchhändler in einer Person sind, freuen sich darauf, Besuchern die Besonderheiten ihrer Werke zu erläutern und Einblick in ihre abwechslungsreiche Tätigkeit zu geben.
Neben den buchkünstlerischen Exponaten gibt es auf der 10. BuchDruckKunst vieles zu sehen, was die ganze Familie interessiert: historische Setz- und Buchdruckmaschinen der Museumswerkstatt in Aktion sowie das Handschöpfen von Papier aus der Bütte durch einen der wenigen Meister dieses Fachs Johannes Follmer von der Museum Papiermühle Homburg in Franken.

Wer sich für kunstvoll gestaltete Bucheinbände interessiert, wird bei der Internationalen Vereinigung der Meister der Einbandkunst auf seine Kosten kommen. WEITERE INFOS

Freitag, 12. Dezember 2014

3. TheaterCampus am Oldenburgischen Staatstheater

(Oldenburg) Studierende und Auszubildende können in der Zeit vom 10.-18. Januar 2015 alle Vorstellungen auf allen Plätzen für 5 Euro sehen. Außerdem können sie in kostenlosen Workshops die Arbeit hinter den Kulissen kennenlernen. Am 16. Januar wird im Glashaus die große TheaterCampus-Party gefeiert.
Auch in diesem Jahr lädt das Oldenburgische Staatstheater wieder zum TheaterCampus. Erstmals kooperiert es dafür mit der Handwerkskammer Oldenburg und freut sich besonders, bei der dritten Ausgabe auch alle Auszubildenden im Haus begrüßen zu dürfen. Unter dem Motto ,Mehr Drama!‘ soll die Schwelle der jungen Besucher zum Theater und damit zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich und ästhetisch relevanten Themen gesenkt werden. Im Januar haben Sie die Möglichkeit die beliebte Produktion ,Tschick‘ in der Exerzierhalle zu besuchen. Aber auch ,Evita‘ , Verdis ,Falstaff‘ oder ,Supergute Tage‘ und viele weitere Stück stehen in der Woche auf dem Programm.
Dass der TheaterCampus auch im Staatstheater selbst beliebt ist, lässt sich an der hohen Bereitschaft der Mitarbeiter ablesen, den Studierenden Workshops anzubieten. Schauspieler, Sänger, Kostümbildner, Dramaturgen und auch der Generalintendant – sie alle lassen sich über die Schulter gucken und laden zum Zuhören und Mitmachen ein:
Montag, 12.01.15, 14-16 Uhr
1) Dem Affen Zucker geben – Sparte 7 oder warum Jopt sich auf den Kopierer legte Schauspielerin Lisa Jopt und Gesine Geppert, Produktionsleiterin der Sparte 7, betreten Theaterneuland und wollen mit Euch darüber diskutieren.
Montag, 12.01.15, 16.30-18 Uhr
2) ...und alles in 3D!
Marketing und Öffentlichkeitsarbeit am Theater haben ihre eigenen Gesetze. Ulrike Wisler, Abteilungsleiterin, plaudert aus dem Nähkästchen.
Dienstag, 13.01.15, 14-15.30 Uhr
3) Strapazierfähige Haute Couture
Kostümbildnerin Britta Leonhardt berichtet vom Weg der Idee im Kopf durch die Werkstätten bis zum Applaus auf der Bühne.
Dienstag, 13.01.15, 16-17.30 Uhr
4) Vom kleinen Modell auf die große Bühne
Produktionsleiterin Veronika Hoberg veranschaulicht die Umsetzung von Bühnenbildmodellen in den Werkstätten.
Mittwoch 14.01.15, 16.30-18 Uhr
5) Wort für Wort. Geschichten erfinden im Team.
Ein praktischer Improvisations-Workshop mit Matthias Grön, Leitender Dramaturg des Jungen Staatstheaters.
Donnerstag, 15.01.15, 15-17 Uhr
6) Perform yourself!
Die Theaterpädagoginnen Sandra Rasch und Lea Schreiber stellen in praktischen Übungen performative Methoden vor.
Freitag, 16.01.15, 15.30-17 Uhr
7) Körper–Blick–platt!
Ein Theater-Spiel-Workshop mit einer Prise Niederdeutsch und dem Leitenden Regisseur des Niederdeutschen Schauspiels Michael Uhl.
Freitag, 16.01.15, 17-19 Uhr
8) Theaterleitung
Christian Firmbach, Generalintendant, berichtet über seinen Alltag zwischen Terminen, Proben, Kantinengesprächen und führt hinter die Kulissen.

Freitag, 16.01.15, 22 Uhr - im Anschluss an die ,Evita‘-Vorstellung -
9) Meet and Greet
Dramaturgin Annabelle Köhler trifft Musical-Darsteller Philipp Büttner (Che) zum Gespräch über seine Rolle bei ,Evita‘ und seine Auszeichnung beim Bundeswettbewerb Gesang, bevor eine offene Fragerunde eingeläutet wird.

„Der Messias“ und „I’m Your Man“ kehren zurück

(BremenBereits vier Tage vor Heiligabend beginnt das Festtagsprogramm am Theater Bremen. Am Samstag, 20. Dezember um 20 Uhr kehrt das Gastspiel „Der Messias“ ins Kleine Haus zurück. Am Montag, 22. Dezember um 19.30 Uhr ist der Leonard-Cohen-Liederabend „I’m Your Man“ erstmals als Weihnachtsspezial im Theater am Goetheplatz zu erleben.

Am Samstag, 20. Dezember um 20 Uhr ist „Der Messias“ wieder im Kleinen Haus zu sehen. Die Ensemblemitglieder Guido Gallmann und Martin Baum, der auch Regie führt, spielen in dieser Weihnachtsfarce von Patrick Barlow zwei Schauspieler, die sich die gesamte Weihnachtsgeschichte vornehmen und kurzerhand alle Rollen übernehmen, sei es Maria, Josef, der Erzengel Gabriel, die drei Weisen aus dem Morgenland oder gar das Jesuskind. Zusammen mit einer scheinbaren Sängerin (Susanne Baum), einem musikalischen Techniker (Andreas Krämer), Weihnachtsliedern und englischem Humor entsteht ein chaotischer Vorweihnachtsspaß.

Am Montag, 22. Dezember um 19.30 Uhr kehrt Felix Rothenhäuslers „I’m Your Man – Ein Leonard Cohen-Liederabend“ für einen Abend zurück auf die Bühne des Theater am Goetheplatz. Auf der Suche nach Erlösung, versuchte der Kanadier Leonard Cohen dem Schmerz des Lebens durch Religion, Drogen und Frauen, aber vor allem durch seine Musik zu entkommen. Der Liederabend begibt sich hinein in seine melancholische Welt, um erleuchtet wieder aufzutauchen. Oder zumindest mit einem Lächeln auf den Lippen. An diesem Abend kosten die Karten auf allen Plätzen nur 15 Euro.
  
„Der Messias“
Samstag, 20. Dezember 2014 um 20 Uhr, Kleines Haus
Dienstag, 23. Dezember 2014 um 18.30 Uhr, Kleines Haus

„I’m Your Man – Ein Leonard Cohen-Liederabend“

Montag, 22. Dezember 2014 um 19.30 Uhr, Theater am Goetheplatz        

Montag, 8. Dezember 2014

Ben X im Theater an der Glocksee

Jonas Vietzke © Jonas Wömpner
(Hannover) Ein glatter - mit wenigen variablen Elementen - strukturierte Bühnenaufbau, ist in klinisch hellblauem Licht gedämmert. Hier erwartet uns Gefühlskälte oder zumindest Unverständnis für Empathie. Im Hintergrund ein riesiges Prospekt für Projektionen, und drei weiße Kuben die an verschiedenen Plätzen im Spielverlauf für weitere Projektion genutzt werden. Nur eine Person tritt auf. Es ist Ben X (Jonas Vietzke), Autist. Seine Welt endet an der Grenze zu seiner Kleidung. Diese klare Bühnen-Bildsprache zeigt treffend das Empfinden Bens.

Er lebt vornehmlich in einem Onlinerollenspiel. Eine erste bombastische Projektion dieses Spiels saugt alles in sich hinein. Darin sind Kampfszenen, Fantasieburgen, wendige kraftvolle Körper, Schwerter, Lederrüstungen, Wälder, Sonne und Scarlite! - die jugendlich, jungfräulich zarte Schönheit mit der Ben als Partnerin durch das Spiel wandert. Via Chat kann er mit Scarlite kommunizieren. Sie antwortet auf alles was er sagt. Ist sie real oder Avatar? Die nächste Projektion, sein Schulweg, ist das tosend bedrohliche Treiben auf Gehwegen und Straßen bis zur Bushaltestelle. Ohrenbetäubender Lärm und eine nicht enden wollende Bilderflut im sekündlichen Staccato trommelt auf ihn (auf uns alle) nieder. Es wird zum ersten Mal ungemütlich im Theatersitz. Doch hier sei angemerkt, hat die Regie (Karin Drechsel) mit feinfühliger Hand genau das richtige Mass getroffen. Die Projektionen und Geräuscheinspielungen sind punktgenau abgewogen zwischen dem inneren Erleben Bens und dem betrachtenden Publikum. Dazu kommt, dass Technik und Schauspieler wie eine Person handeln, so nahtlos zusammen wirken, dass im Theater die äußerst seltenen Momente von Magie entstehen. Bravo - es ist ein Thrill dabei zu sein!

Weiter mit Ben. In der Schule wird er als Freak, als Marsmensch gemobbt. Seine Mitschüler kennen da kein Tabu. So kommt ein Video von ihm mit heruntergelassenen Hosen ins Internet. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Lehrer, Eltern und Mitschüler reden, erklären, verteidigen sich. Man könnte auf einer philosophischen Ebene Fragen, wer denn nun der Autist ist. Alle begründen aus ihrer Sicht was vorgefallen ist, keiner zeigt soziales Einfühlungsvermögen und selbstkritisches Verhalten. Wo also ist die Welt der anderen die Teil wird eines jeden? Wo bitte ist die „Community of men“ im Umgang mit Menschen die wir als anders (unnormal - nicht der Norm entsprechend empfinden)? Auch hier ist wieder eine sehr gelungene Videoprojektion, eine Sequenz mehrere Einzelprojektionen. Darin sprechen Eltern, Lehrer und Mitschüler, aber es ist immer das Bild von Ben zu sehen. Es kommt dem „Inneren Dialog“ gleich den bereits Carlos Castaneda in den Lehren des Don Juan beschrieben hatte. Ben X redet die Dialoge abgekoppelt von den anderen selbst, weil das seine Welt ist, gezeichnet von eingeschränkter Kommunikation weil er die Bedeutung hinter den Worten intuitiv weder erfassen noch darauf reagieren kann.

Seine Welt funktioniert nur durch klare Planung, feste Regeln und sich wiederholende Abläufe. Die durch sein Anderssein erduldeten Demütigungen kompensiert er durch das Onlinerollenspiel. Da ist er bereits auf Level 80. Autisten können auf einem einzelnen Gebiet enorme Fähigkeiten erreichen, man spricht von Inselbegabungen. Aber Autisten haben Schwächen in Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation. Ben gerät immer tiefer in diesen Konflikt bis er endlich beschließt ein Zeichen zu setzen.

Das Stück „Ben X“ von Nic Balthazar basiert auf einem realen Fall, wurde 2007 von ihm verfilmt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Die Inszenierung von Karin Drechsel im Theater an der Glocksee mit Jonas Vietzke als Ben X ist großes Erwachsenentheater. Das Publikum zollte dies verdient mit brodelnd langem Applaus.

Weitere Termine sind Dez. 2014 am 10., 12., 13., 17., Jan. 2015 am 9., 10., 14., 16. und 17. jeweils um 20:00. Infos: THEATER AN DER GLOCKSEE

Freitag, 5. Dezember 2014

Nach Nordwind nun „Alle sieben Wellen“

Claudia Seidel & Frank Stuckenbrok
(Bremen) Das Schauspiel „Alle sieben Wellen“ von Daniel Glattauer nach dem gleichnamigen Roman wird am 06.12. und 21.12.2014 in einer Inszenierung von Kurt Wobbe im Schnürschuh Theater gezeigt. 
Kommt es nach Emmis und Leos E-Mail-Trennung zu einer Wiederaufnahme im Netz? Oder gar zu einer Begegnung ohne Netz? Neun Monate später. Während Leo (Frank Stuckenbrok) auf Systemmanager geschaltet und sich nach Boston abgesetzt hat, bläst bei Emmi (Claudia Seidel) weiterhin kräftigt der Nordwind. Beider Leben ist inzwischen weitergegangen. Leo hat in Boston Pamela kennen gelernt und ist für eine neue Beziehung bereit. Emmi, die vom damaligen Eingreifen ihres Mannes keine Ahnung hat, ist enttäuscht und führt ihr Ehe- und Familienleben mit Bernhard weiter. Doch nach Leos Rückkehr kommt es zu einem telepathischen Auftakt, und bald werden beide wieder von der E-Mail-Sucht erfasst. Diesmal beschliessen sie, den Schritt in das Neuland der außervirtuellen Begegnung wirklich zu wagen. Infos : Schnürschuh

Dienstag, 2. Dezember 2014

Bühne und Raum im GaDeWe

© Jens Weyers
(Bremen) Noch bis zum 19. Dezember läuft die Ausstellung mit Installationen von Reinhold Budde. Er inszeniert den Galerieraum völlig neu als Theater mit Bühne, Backstage, Foyer, Vorhänge, Bildobjekten, Bodenarbeit und einem Kabinett. Eine Arbeit, die den Außenbereich der Galerie zur Straße hinaus bespielt, erweitert die Ausstellung in den öffentlichen Raum hinaus.
Yvette Deseyve vom Gerhard Marcks Haus dazu in ihrer Einführungsrede: „Reinhold Budde zeigt mit seiner Ausstellung in den Räumen der GaDeWe, dass Kunst nur über eine aktive Raumwahrnehmung erfahrbar ist. Abbildungen mögen eine Ahnung des ästhetischen Konzepts vermitteln, bleiben aber hinter dem physischen Erleben zurück.“


Öffnungszeiten sind Mi. und Fr. 15:00 bis 19:00 und Do. 15:00 bis 21:00.

Samstag, 29. November 2014

Sieben Frauen sehen Männer

(Bremerhaven) Der immer währende Geschlechterkampf bekommt eine ganz andere Note in der Ausstellung „frauen sehen männer“ die derzeit in der Galerie auf Zeit in der Schillerstraße 35 zu sehen ist. Es ist keine Abrechnung des „schwachen“ Geschlechts, kein abfälliger Beitrag verzickter Girlies, keine Bedrohung von toughen Emanzen, sondern es ist die künstlerische Annäherung einer hochinteressanten Fragestellung.
Eisenskulptur - Hilke Leu
Die sieben Frauen/Künstlerinnen haben sich auf Initiative von Sandra Jakobs im Verlauf eines Jahres mehrfach getroffen uns sich darüber ausgetauscht wie Frauen Männer sehen, haben darüber diskutiert, sich gegenseitig inspiriert, Ansichten geklärt, recherchiert und schließlich eine ansehnliche Sammlung Arbeiten zum Thema geschaffen. Es entstand ein weites Spektrum von Malerei, Druckgrafik, Fotografie, Skulptur, Zeichnung bis Installation mit denen Karin Froehling, Sandra Jakobs, Sandra Juras, Hilke Leu, Silke Mohrhoff, Margitta Sündermann und Conny Wischhusen Stellung nahmen. Eine gute Beobachtung männlicher Gestik findet man in den Eisenskulpturen und Drucken von Hilke Leu, eine Anspielung auf die Genesis in der Fotografie von Sandra Juras, die Tatsache das Männer einfach da sind in der Sound-Installation von Conny Wischhusen und viele andere Positionen in den Arbeiten der anderen Künstlerinnen.
Man fühlt sich eingeladen über das Männerbild dieser Frauen zu reflektieren, und vor allem reizt es, sich als Mann einen Spiegel vorzuhalten, um ein Bild von sich zu entdecken das man nicht selber produzierte. (Natürlich nur wenn keiner guckt, schließlich sind Männer nicht eitel. Das wusste schon Kurt Tucholsky über seine Geschlechtsgenossen zu sagen.) Vielleicht gibt das den einen oder anderen Denkanstoss die Verschiedenheit von Mann und Frau zu überbrücken, vielleicht ist es so etwas wie ein Blick hinter die Kulissen der im Spannungsverhältnis einer Beziehung oder Ehe nicht möglich ist. In jedem Fall ist es eine sehenswerte Ausstellung die Mann (und Frau) nicht versäumen dürfte.
Die Ausstellung kann noch bis zum 20.12.2014 besucht werden in der Zeit Mi. - Sa. jeweils von 15:00 bis 18:00. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist ein limitierter Katalog erschienen, der in der Ausstellung für 7,50€ erhältlich ist.

Mittwoch, 26. November 2014

Groteskes Endspiel in der ökologischen Katastrophe

(Hannover) In der Eisfabrik spielt die COMMEDIA FUTURA ein multimediales Tanztheater. In einer futuristischen Situation müssen sich die Protagonisten „Im freien Fall“ mit ihrer speziellen Sozialisation herumschlagen.
Wir befinden uns im freien Fall. So wie wir leben, können wir nicht weitermachen, das wissen im Grunde alle. Doch allein die schiere Masse der Menschen macht es schwierig wenn nicht unmöglich, Auswege aus der drohenden ökologischen Katastrophe zu finden.

Die neue Produktion von COMMEDIA FUTURA ist in einer Zeit angesiedelt, in der die Katastrophe bereits eingetreten ist. Die glücklicheren unter den Menschen – wie immer reich nicht nur an Geld, sondern auch mit den richtigen Beziehungen – haben sich in sogenannte Kapselstädte zurückgezogen, in denen ein künstliches Klima für annehmbare Lebensverhältnisse sorgt. Unter Ihnen auch die fünf Protagonisten. Doch auf dem Weg zur Einweihung einer neuen Kapselstadt stürzt ihr Luftschiff ab…

Wolfgang A. Piontek lässt seine Truppe hart aufschlagen in einer Wirklichkeit, in der Überlebens-Strategien gefragt sind, miteinander, gegeneinander. Es entsteht ein groteskes Endspiel. Die eigenwilligen, extrem zugespitzten Charaktere entfalten sich in einem  Szenario, das Tanz und Theater ebenso nutzt, wie Video-Projektionen und einen eigens von Christof Littmann komponierten Soundtrack.

Die nächsten Aufführungen sind am 28./29. Nov. 2014. Weitere Informationen auf der Homepage der COMMEDIA FUTURA

Dienstag, 25. November 2014

Drei Schwester von Anton Tschechow

(Wilhelmshaven) Am 22.11.2014 hatte die Landesbühne Niedersachsen Premiere mit Tschechows Klassiker „Drei Schwestern in der Inszenierung von Eva Lange. Textfassung von Ulrike Zemme.

Robert Oschmann, Anna Rauch und Wolfgang Finck
Nach Moskau!
Leben in einer kleinen Provinzstadt, in der es nichts gibt außer einem Regiment – und am ende ist auch dieses fort. nach dem Tod ihres Vaters träumen die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina von einem anregend erfüllten Leben in Moskau, wo sie aufgewachsen sind und wo sie eigentlich hingehören, wie sie finden. Während Olga, Lehrerin am Gymnasium, das Schicksal einer ewig Ungeküssten droht, liebt die mit dem langweiligen Gymnasiallehrer Kulygin verheiratete Mascha den ebenfalls unglücklich verheirateten Oberstleutnant Werschinin und Irina gibt sich romantischen Vorstellungen von Arbeit hin. Doch nachdem ihr Bruder Andrej eine kleinbürgerliche ehe mit der aus dem Ort stammenden Natalja eingeht, die zunehmend bestimmter die Führung im familiären Haushalt übernimmt und die Schwestern nach und nach aus dem Elternhaus vertreibt, wird klar, dass Moskau der unerreichbare Sehnsuchtsort bleiben wird, der er von Beginn an war.

Anton Tschechows DREI SCHWESTERN ist ein spannungsreiches Geflecht von unausgesprochenen Erwartungen und unmöglicher Liebe. Darin liegt Traurigkeit und Komik zugleich. Stanislawski berichtete von den Proben zur Uraufführung am Moskauer Künstlertheater: „Es zeigte sich, dass die Menschen Tschechows ganz und gar nicht nur Schwermut und Langeweile mit sich herumschleppen, im Gegenteil, es sind Menschen, die Fröhlichkeit, Lachen und Munterkeit suchen, die Leben wollen, nicht nur vegetieren.“
Weitere Termine und Infos siehe Homepage

Montag, 24. November 2014

Fische und Landschaften im Künstlerhaus Cuxhaven

(Cuxhaven) Vor dem Schloss Ritzebüttel wird der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Buden werden zusammen gezimmert, dutzende Kübel sind mit festlich roter Plastikfolie umwickelt, und Berge von Rindenmulch werden um die Buden herum verteilt. Ich zwänge mich an den Lastwagen vorbei, steige über Kabel und Wasserschläuche um ins Künstlerhaus zu gelangen. Das Künstlerhaus beherbergt im Erdgeschoss die Tourist-Info. Im Obergeschoss sind mehrere Räume die als Wohnung und Atelier für KünstlerInnen vorgesehen sind. Seit September sind Beatrice Richter und Anja Warzecha in den Ateliers am arbeiten. Die Cuxhavener Bürger hatten schon am ersten November Wochenende die Gelegenheit bei einem Rundgang die Künstlerinnen kennenzulernen. Im Dezember endet ihr Aufenthalt im Künstlerhaus mit einer Ausstellung vom 7. 12. bis zum 13. 12.
Beatrice Richter, geboren in Recklinghausen, studiert seit 2010 an der Kunstakademie in Düsseldorf. Im nächsten Jahr kann sie dort ihre Studien abschließen. Derzeit arbeitet sie mit Herbert Brandl, von dessen passionierte Art sie respektvoll spricht. Richter ist eine konkrete, junge Frau die mit ihrer Arbeit verwachsen ist. Ihr Atelier ist mit Folie am Boden ausgelegt, weil es zur Sache geht wenn sie mit Tusche ganze Stapel von Drucken anfertigt. „Es muss schnell gehen“ sagt sie. Und das bezieht sie nicht nur auf die Umstände die das Material von ihr verlangt, es trifft auch auf ihre hingebungsvolle, konzentrierte Arbeitsweise zu. Bei 13 Ausstellungsbeteiligungen in drei Studienjahren kann man wohl von einer umtriebigen Künstlerin sprechen.
Beatrice Richter - Tusche Papier Grafit
Obwohl sie sich als ein Großstadtmensch bezeichnet, ist sie froh hier in Cuxhaven zu sein. In Düsseldorf und im Studierbetrieb wird man von vielen Dingen abgelenkt, sagt sie. Ihr Terminkalender ist schnell gefüllt mit interessanten Ausstellungseröffnungen. Und in der Akademie gibt es auch viele Gelegenheiten die einer intensiven Arbeit entgegenlaufen. Im Künstlerhaus arbeitet sie jetzt mit Anja Warzecha von 8:00 morgens bis 23:00 in der Nacht. Beiden gefällt es von allem alltäglichen abgeschieden zu sein und sich ganz und gar in die Arbeit zu vertiefen. Wenn man sich stunden- ja tagelang mit der Sache beschäftigt, kommt man an ganz andere Grenzen und überschreitet sie. Beide sagen, dass diese intensive Zeit eine Wandlung in ihrem Schaffen ermöglicht hat.
Beatrice Richter, die zuerst mit großen Leinwandformaten begann, wechselte schon bald auf eine andere Technik die sie in Düsseldorf zwar schon mal begonnen hatte, aber noch nicht ausgereift praktizierte. Es handelt sich dabei um „Tuschedrucke“ die sie mit Grafitstifte weiter bearbeitet. Sie begann mit
Beatrice Richter - Detail (Tusche Papier Grafit)
kleinen Formaten, ca. 20/20cm, später folgten dann 50/50, 70/70 und es sollen noch 100/100cm dazu kommen. Sie bringt die flüssige Tusche auf ein Blatt und nimmt mit einem weiteren Blatt einen Abdruck davon. In dieser Weise druckt sie ganze Serien bis zu 50 Expl. Nachdem die Blätter getrocknet sind, geht sie mit dem Grafitstift hinein und schafft kontrastierende nahezu lasierende Flächen. Durch diese Kontraste beginnt die Farbigkeit der Tusche kräftiger zu leuchten. Die Motive mögen für den fantasiereichen Betrachter etwas fischiges haben, vielleicht auch mal einem Vogel ähnlich sein. Man glaubt Gräten, Gerippe, Flossen und Augen zu erkennen. Jedenfalls gibt es viel zu entdecken in den Bildern. Einige Bilder haben etwas so haptisches oder auch Geruch intensives, dass man ins Zweifeln gerät; der fish & ships Frittenbudengeruch kommt entweder von der Strasse oder beruht auf Imagination die vom Bild ausgeht.
Sowohl Beatrice Richter als auch Anja Warzecha beschreiben den Aufenthalt seit September als eine wertvolle Zeit für ihre Kunst. Warzecha ist in Bochum geboren und kommt aus Halle in die Hafenstadt. Sie hat im Januar ihr Diplom erhalten und steht nun im brotlosen Künstlerleben. Teil der Selbstständigkeit ist es sich immer umzuschauen wo man Förderungen bekommt, an welchen Projekten man beteiligt werden kann (oder welche man selbst initiiert), wo man Aufträge bekommt, Ausstellungen-Galerien-Ausstellungen-Galerie… Anja Warzecha verbringt mindestens zwei Tage pro Woche mit Marketing Angelegenheiten. In erster Linie ist Künstler ein Beruf wie jeder andere. Ob man am Fließband steht, an der Supermarktkasse sitzt oder Kunstwerke schafft, ist für sie mehr oder weniger eine Kategorie. Es ist ein Markt der gefunden und erfüllt werden muss. Diese, in gewisser Weise bodenständige Betrachtung (oder Entmystifizierung) hindert sie aber nicht daran, mehr als nur eine das Handwerk-beherrschende-Künstlerin zu sein. Ihre Bilder geben den Eindruck, als würde sie sehr mutig versuchen weit über die Grenzen zu gehen, bereit mit dem möglichen Scheitern Hand in Hand ins nichts zu laufen. Ihre Arbeiten fordern Respekt, hält sie doch die äußerst schwierige Waage zwischen intuitiv in neue Gestade aufzubrechen und den Weg dahin mit klarer nachvollziehbarer Struktur zu pflastern.
Anja Warzecha - versch. Farben auf Leinwand
Auch Warzecha hat mit kleinen Formaten begonnen. Sie arbeitet auf Rahmen und Leinwand, welche sie komplett selber herstellt. Dadurch kann sie die Formate genau so wählen wie sie sie haben will. Ihre Arbeitsweise ist als würde man einen Satz schreiben, bei dem man nicht den Inhalt kennt. Man fügt Wort an Wort bis das gesamte grammatische Gebilde eine sinnvolle Einheit bildet. „Das Idealbild wäre von 0 auf 100, ohne dass man etwas zurücknimmt oder übermalt“sagt sie. Doch sie beginnt mit etwas wie einen ersten Impuls der die alle Möglichkeiten in sich bergende weisse Fläche der Leinwand durchbricht, und beginnt dann durch hinzufügen und überdecken von Strukturen und Flächen etwas entstehen zu lassen. Sie plant nicht das Bild und malt es dann, sondern tastet sich Schicht um Schicht an etwas heran. Dabei wirken die Motive als würden mehrere Zeit- Erinnerungs- und Abbildungsebenen übereinander, nebeneinander und durcheinander verwoben. Was ich hier mit spröden, vielleicht sogar umständlichen, Umschreibungen in Worte zu fassen versuche, entspringt einer sehr komplexen oder/und klaren Bildvielfalt.
Anja Warzecha hat von 2008 bis 2014 in Halle bei Prof. Ute Pleuger studiert. 2012 machte sie ein Auslandssemester in Kathmandu (Nepal). Sie wurde bereits mit vier Stipendien ausgezeichnet und hat allein in diesem Jahr auf vier Ausstellungen ausgestellt. Neben der Malerei arbeitet sie auch mit Installationen die z.B. Teil ihrer Diplomarbeit waren.

Die große Anzahl der seit September entstandenen Arbeiten von Beatrice Richter und Anja Warzecha werden vom 07.12.2014 bis 13.12.2014 in den Atelierräumen im Künstlerhaus über der Tourist-Info am Schloss Ritzebüttel zu sehen sein. Es lohnt sich den Weihnachtsmarkt für einige Momente den Rücken zu kehren, um sich mit diesen beiden Künstlerinnen zu beschäftigen.

Freitag, 21. November 2014

Kopierte Gemälde und halbfertige Möbel

Jochen Plogsties und Heimo Zobernig im alten Goseriede Bad. 


Die  Kestnergesellschaft stellt zwei Künstler mit beachtenswerten Positionen aus: Skulpturen und Malerei von Heimo Zobernig, und Jochen Plogsties´ Malerei. Bei beiden Künstlern empfiehlt es sich die Hintergründe ihrer Arbeiten aufmerksam zu erkunden. Beide Ausstellungen sind von 21. November  2014 bis 15. Februar 2015 geöffnet.

Jochen Plogsties - Souvenier du Maroc
Mit dem Titel „Küsse am Nachmittag“ werden Gemälde von Jochen Plogsties gezeigt. Es handelt sich um Kopien. Der „Kopierbegriff ist in den letzten Jahren in Verruf gekommen“ sagt Plogsties. Aber es wurden schon immer Bilder kopiert um die Werke zu untersuchen und zu studieren. Seine Bilder sind von sehr unterschiedlichem Format.  Die Bildvorlagen stammen aus Bildbänden und Zeitungen, er findet sie auf Postkarten oder im Internet.  Alle seine Bilder sind Reproduktionen, und somit keine Fälschungen. Schon allein der Größenunterschied zum vermeintlichen Original ist extrem. Um die Herkunft zu dokumentieren sind neben den Motiven weisse bzw. farbige Flächen wie z.B. Bildumrahmungen bei einer Buchseite. Die Bildvorlagen sind auch nicht zwangsläufig die Originalen Werke, wie
Jochen Plogsties - Gewandstudie
beispielsweise bei der Mona Lisa, welches im Original viel größer ist. Da er die Bildstruktur im Verhältnis auf das neue Bildformat überträgt, könnte man glauben das jeweilige Original zu sehen. Aber es handelt sich um Reproduktionen bei denen sich Plogsties mit der Struktur des Bildaufbaus beschäftigt hat. Die Größe, die Farbgebung und den Maluntergrund ändert er. Als Maler interessiert ihn vor allem was er mit der Farbgebung schaffen kann. Die ursprüngliche Entscheidung Da Vincis bei der Mona Lisa kann er eh nicht nachvollziehen, und das ist auch nicht sein Anspruch. Im Gegensatz zur mechanisch produzierten Kopie leistet er einen subjektiv geprägten Prozess von Aneignung, Adaption und Abstraktion, der in seinen Bildern mal subtil, mal offenkundig entsteht. Plogsties thematisiert mit diesen Arbeiten das Originalitätsdogma und die damit verknüpfte Frage nach Autorschaft, Stil und Authentizität. Ausserdem reflektiert seine Arbeitsweise die neuen Möglichkeiten der Produktion, Rezeption und Distribution von Kunstwerken.

Heimo Zobernig


In der oberen Etage kommt man in ein - was? Ein Gebrauchtmöbellager? In drei Reihen sind die Skulpturen aufgestellt. Beim schwarzen Tisch beginnend kann man die Entstehungsgeschichte der einzelnen Arbeiten folgen. Skulpturen? Eine Skulptur z.B. ist ein aus drei Presspanplatten rechtwinklig zusammengeschraubtes - Ding, teilweise mit weisser Binderfarbe angestrichen. Zobernig will keine schönen Arbeiten. Doch um nicht schön zu machen muss man nicht hässlich herstellen. Es reicht die sentimentalen Schnörkel wegzulassen, es genügt die Fantasie ohne Nahrung zurückzulassen, oder einfach sachlich zu sein. Und darin ist er ein Meister. 


Heimo Zobernig - Skulpturen Kestnergesellschaft
Seit dem letzten Jahrhundert hat es sich in der Kunst geändert, dass nicht allein der Künstler bestimmt was Kunst ist, sondern der Betrachter tut es gleichfalls. Es trifft nicht länger Subjekt auf Objekt, sondern Subjekt trifft auf Subjekt. Der Rezipient ist durch sein Schauen auf Augenhöhe. Es entsteht, die vielleicht edelste künstlerische Tugend, die der Konfrontation, und im günstigsten Fall der Konfrontation mit sich selbst, dem Subjekt hier wie da. Die Skulpturen haben nichts belehrendes, sind vielmehr geistvoll gestaltete Objekte die eine klare Form ergeben. Da ist z.B. der Infotresen der als Teil einer Raumgestaltung auf der dokumenta X stand. Wenn man ihn genau betrachtet kann man zu dem Schluss kommen, dass die Nutzung diese Skulptur zur Weitergabe von Informationen dient. Es ist ein Gegenstand, der erst durch das zutun des Betrachters einen Nutzwert bekommt. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, ob die Skulptur in dieser Austellung gezeigt wird, oder für eine entsprechende Nutzung auf der dokumenta X bereitgestellt wurde. Man muss ein bisschen tiefer in seiner eigenen Gedankenwelt graben, und sich von evtl. Vorurteilen, oder gar zu schnellen Schlüssen, verabschieden, um den zart verschmitzen Humor Zobernigs zu genießen.

Die Arbeiten zeichnen sich einmal durch die reduzierte Schlichheit und zum anderen durch die subtile Verschiebung der Wertigkeit aus. Die Abwesenheit von gängigen Schönheitsvorstellungen bekommt Ästhetik einer respektvoll, würdigen Fügung von Bauteilen. Man fühlt sich eingeladen an dem Entstehungsprozess teilzuhaben. Man ist auch aufgefordert hellwach und mit klarem Geist zu schauen, um die gebotene Konfrontation anzunehmen. 

Heimo Zobernig - ohne Titel 2014 Acryl auf Leinwand
Parallel zu seinen Skulpturen untersucht Zobernig in seinen meist quadratischen Gemälden Grundfiguren abstrakter Malerei: die Monochromie, das Raster und das Gestische. Während das Raster als rationales Schema immer schon im Zentrum von Zobernigs Interesse stand, taucht erst seit kurzem ein gestisches Vokabular in seinen Bildern auf. Er kombiniert Raster mit komplexen Anordnungen aus freien Linien, amorphen Strukturen und scheinbar unkontrollierten Farbverwischungen. Was auf den ersten Blick als Zeugnis spontaner Handlungen erscheinen mag, entsteht in einem kontrollierten Prozess, bei dem die Komposition bereits am Anfang feststeht. Kontrastierende Farbschichten und unterschiedliche Produktionsphasen werden darin verschränkt und das Verhältnis von Figur und Grund, Oben und Unten sowie Raum und Fläche destabilisiert. Wie auch die Skulpturen werden die Bilder zu Elementen eines offenen, enzyklopädischen »System Zobernig«, das Gattungsgrenzen überwindet und immer wieder neue Deutungen anbietet.

Zu beiden Ausstellungen ist ein Katalog erschienen. Wie üblich gibt es bei den Ausstellungen der Kestnergesellschaft wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm. Die entsprechenden Informationen findet man auf der INTERNETSEITE der Kestnergesellschaft.

Donnerstag, 20. November 2014

Weihnachten an der Front

(Beverstedt) Die Neue Bühne Beverstedt hat am 2. Dezember 2014 Premiere mit dem Stück „Weihnachten an der Front“ von Jérôme Savary
Das Stück stellt eine Episode aus dem 1. Weltkrieg dar: Den sogenannten Weihnachtsfrieden 1914. An vielen Abschnitten der Westfront verabredeten die Soldaten selbstständig das Schweigen der Waffen, sie begruben ihre Toten, tauschten Tabak und Schnaps aus und feierten gemeinsam Weihnachten – bis ihnen das gegenseitige Morden wieder befohlen wurde. Trotz dieses grausamen historischen Hintergrunds erwartet das Publikum keineswegs ein bitteres Anti-Kriegs-Theater, sondern über weite Strecken eine unterhaltsame, häufig sogar erheiternde Aufführung.
Premiere am 2. Dezember 2014. 

Weitere Aufführungen im Dezember: 5., 6. Dezember 2014. Außerdem am Sonntag, 7. Dezember 2014 um 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr.
Zweiter Block im Januar: 8., 9., 10. Januar 2015.
Beginn jeweils 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr, in der Oberschule Beverstedt. 

Dienstag, 18. November 2014

Künstlergemeinschaft stellt nach intensiver Recherche aus

(Bremerhaven) Ob die Frage geklärt wird bleibt offen. Aber der Titel der Ausstellung dürfte wohl einiges Interesse wecken. Neugierde ist hier herzlich angezeigt bei: Frauen sehen Männer.

Sieben Frauen aus dem Land Bremen und und um zu haben sich dieser Aufgabe gestellt und Positionen bezogen. In den künstlerischen Ausdrucksfeldern der Malerei, Druckgrafik, Fotografie, Skulptur, Zeichnung und Installation haben Karin Froehling, Sandra Jakobs, Sandra Juras, Hilke Leu, Silke Mohrhoff, Margitta Sündermann und Conny Wischhusen gearbeitet und bringen die Ergebnisse am 22.11.2014 um 19:30 zur Ausstellung.

Der Kulturdezernet Michael Frost spricht einige einführende Worte in der Schillerstr. 35 in Bremerhaven. Die ausstellung kann bis 20.12.2014 in der Zeit Mo., Do., Fr., Sa. von 15:00 bis 18:00 besucht werden.

Ausschreibung für den Szenenwechsel

Mit Szenenwechsel fördern die Robert Bosch Stiftung und das Internationale Theaterinstitut Zentrum Deutschland internationale Kooperationen in den Darstellenden Künsten mit Partnern aus Osteuropa und Nordafrika.
Gesucht werden Projekte, die aktuelle Tendenzen und gesellschaftliche Veränderungen aufgreifen und in der gemeinsamen künstlerischen Reflexion sichtbar machen. Der Fokus des Programms liegt auf der Unterstützung der Erarbeitung und Neuentwicklung eines gemeinsamen Projekts im Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Bestehende Kontakte können ausgebaut oder neue initiiert werden.
Die projektbezogene Zusammenarbeit soll bewährte Ausdrucksformen durch neue Akzente bereichern und neue Arbeitsweisen erproben. Gefördert wird insbesondere die Anbahnung und Entwicklung internationaler künstlerischer Projekte, die in der direkten Zusammenarbeit zweier Kooperationspartner entstehen.
Die Ausschreibung richtet sich an Theater und freie Theatergruppen aus allen Bereichen der Darstellenden Künste wie Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, Tanz, Musiktheater, Figurentheater und Performance aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die geförderten Projekte sollen in beiden Ländern, in jedem Fall aber im deutschsprachigen Partnerland präsentiert werden.
10-12 internationale Kooperationen werden von einer Jury ausgewählt und mit bis zu 15.000 Euro gefördert. Der Jury gehören an: Tilmann Broszat (Leiter Festival SPIEL- ART München), Annette Dabs (Leiterin Bochumer Figurentheater Festival Fidena), Stefan Schmidtke (Kurator Wiener Festwochen), Branko Šimic (Regisseur, KRASS Festival) und Elisabeth Wellershaus (Kulturjournalistin).

Anträge können bis zum 15. Februar 2015 gestellt werden. Nähere Informationen und den Link zum Online-Portal finden Sie unter: www.szenenwechsel.org

Dienstag, 11. November 2014

Hänsel und Gretel

(Wilhelmshaven) Am Sonntag hatte die Landesbühne Nord Premiere mit dem Weihnachtsmärchen Hänsel und Gretel nach den Brüdern Grimm, in einer Textfassung von Carola Unser und dem Ensemble. Dazu entstanden ist eine Komposition von Katharina Hoffmann und Liedtexte von Kathrin Ost.

Mit viel Poesie und Live-Musik soll auf der Bühne eine traumhafte Märchenwelt entstehen, die das Böse böse und das Gute gut sein lässt. Es bleibt eine Geschichte schwerer Entscheidungen, die aus der Not getroffen werden müssen und zur Selbständigkeit, dem Erwachsen werden, handeln. Zauberhaft mit einem Happy End!

JULIA GEBHARDT + SIMON WEISKOPF
Die Bühnenfassung und die Inszenierung von Carola Unser versucht behutsam aus den sehr archetypischen Figuren des Originalmärchens Menschen aus Fleisch und Blut auf der Bühne erstehen zu lassen, mit Ängsten und Träumen, die nicht auf eine bestimmte Zeit festgelegt sind und deshalb sehr modern wirken. Der Grimmschen Zeit geschuldete Rollenklischees in den Figuren, wie zum Beispiel das des ängstlichen Mädchens bei Gretel oder die Darstellung der Mutter als böse Stiefmutter wurden entfernt. In dieser Fassung ist Gretel außerdem die ältere, sehr belesene und ihrem Bruder Hänsel gegenüber liebevoll Verantwortung übernehmende Schwester. Das Bühnenbild und die Kostüme von Gesine Lenz bedienen die poetische, zauberhafte Seite des Märchens, sie wirken, wie aus einer Märchenbuchillustration entnommen, das Bühnenbild mit Wald, Haus der Eltern und Hexenhaus nebst Ofen und Käfig gleicht einem Pop up –Bilderbuch.  WEITERE INFOS

Freitag, 7. November 2014

Theater Spielorte dokumentiert Theaterprojekt

(Wanna) Der in Wanna ansässige Verein Theater Spielorte e.V. hat eine Dokumentation der letzten Sommerproduktion erstellt. Sie ist nun gegen eine Schutzgebühr von 5,00€ erhältlich. Im Juli hatte der Verein Premiere mit der Komödie „Bildung für Rita“ von Willy Russell. Die Kultur-News berichtete darüber: Siehe Artikel hier.  Das Projekt wurde vom Landschaftsverband Stade mit Mitteln des Landes Niedersachsen und von der EWE-Stiftung gefördert. Ziel der Theaterarbeit war es die künstlerischen Möglichkeiten der Sprache auszuloten und weiter zu entwickeln. Auf der Bühne waren diese Forschungergebnisse bereits einige Male zu sehen. Die nächste Vorstellung ist am 14.11.2014 in den Seelandhallen Otterndorf.

Theater Spielorte e.V. beauftragte die Kultur-News mit der Herstellung der Dokumentation als gedrucktes Heft, die nun vorliegt. Neben einer Darstellung des Vereins, der noch neu ist in der Elbe-Weser-Region, werden die einzelnen Bereiche der Arbeit vorgestellt. Über die Beschreibung des Projektes, der Textwahl und der Arbeitsweise wird in den Kapiteln „Sprechend Räume entstehen lassen“, „Beziehungen durch den Klang der Stimme“, „Die Verbindung von Körper und Sprache“ sowie ein Kapitel über die dramaturgische Bearbeitung und Kritiken aus der lokalen Presse, dargelegt welche Ergebnisse wie erzielt wurden. 

Für einen kurzen Zeitraum von einigen Wochen liegt die Dokumentation in der Altstadtbuchhandlung in Otterndorf, und in der Olivia Buchhandlung in Cuxhaven zum Verkauf aus. Beide Buchhandlungen unterstützen den Verein in dem die Schutzgebühr in Höhe von 5,00€ komplett an den Verein weitergeleitet wird. Man kann die Dokumentation auch beim Verlag: (eigene.werte)  direkt bestellen.


Theater Spielorte beabsichtigt diese Forschungsarbeit auch in den nächsten Projekten weiterzuführen. Das nächste Schwerpunktthema ist „Gestik“. Mit der Weiterentwicklung der gängigen Kommunikationsformen wie Sprechen, Mimik, Gestik, leistet der Verein seinen Beitrag zu einer besseren Verständigung aller Menschen unter dem Himmel. Tickets für die nächste Vorstellung sind im Internet zu beziehen, an der Abendkasse oder in der Altstadtbuchhandlung in Otterndorf.

Mittwoch, 5. November 2014

Stil-Freiheit in der Kunst - Jürgen Partenheimer

© J.Partenheimer, Le bouleau volant 1979
Der 1947 in München geborene Jürgen Partenheimer gehört mit seiner einzigartigen Interpretation der Abstraktion, die er selbst als «metaphysischen Realismus» bezeichnete, zu den wegweisenden Positionen der zeitgenössischen Kunst. In seiner künstlerischen Formulierung verbinden sich konstruktive Elemente der Minimal Art mit lyrischer Intensität. Mit kritischem Bewusstsein vermisst und kartografiert Partenheimer den ständig neu zu bestimmenden Freiraum der Kunst und ihrer Praxis. Partenheimers Werke eröffnen individuelle Denk- und Imaginationsräume, die in Bremerhaven erstmals 1988 in einer Einzelausstellung in der Kunsthalle zu erkunden waren. Bereits zwei Jahre zuvor erwarb der Kunstverein die ersten Arbeiten für seine Sammlung. 1990 und 1994 folgten die Ausstellungen „Mind - Stack (Über die Natur) ziehende Wolke - lehnende Wolke“ und „23 Bleistiftzeichnungen“ im Kabinett für aktuelle Kunst.   

20 Jahre sind seither vergangen. Nun kehrt der international bekannte Künstler in die Hafenstadt zurück und zeigt eine Werkgruppe, auf die man eine noch längere Zeit verzichten musste: Le bouleau volant ruhte 33 Jahre in einer Schachtel im Archiv des Künstlers. In diesem Jahr wurde sie in den Deichtorhallen Hamburg – Sammlung Falckenberg erstmals wieder ausgestellt. Die Präsentation war Teil einer offenen Kooperation mit dem Gemeentemuseum Den Haag, der Contemporary Art Gallery Vancouver und der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München.


Das Konvolut aus 79 Arbeiten auf DIN-A4-Papier entstand 1979 und war im darauf folgenden Jahr Partenheimers Beitrag zur Biennale von Paris. 1981 wurde die Werkgruppe  in einer internationalen Auswahl der Biennale von Paris im Musée d´Art Contemporain in Nizza gezeigt, in der Galeria Nacional de Arte Moderna in Lissabon und im Sahra Hilden Museum in Tampere. Le bouleau volant ist ein gesellschaftskritischer Beitrag zur Stil-Freiheit der Kunst. Die Zeichnungen, Collagen, Malereien und Notizen der Werkgruppe vermitteln zunächst den Eindruck heterogener Einzelblätter. Doch ihre singuläre Bedeutung steht nicht im Vordergrund. Sie sind vielmehr wie eine Text- oder Stoffsammlung zu verstehen, deren einzelne Teile nur in Zusammenhängen erfahrbar und miteinander verbunden sind. Wie ein Kaleidoskop fügen sich die einzelnen Elemente in unmittelbar beliebigen Korrespondenzen und in gewünschten oder zufälligen Konstellationen zu einem Bild. So gibt uns Jürgen Partenheimer mit Le bouleau volant nicht nur einen Einblick in sein Archiv, sondern bietet den Betrachtern die Möglichkeit für neue Erfahrungen, Erlebnisse und Wahrnehmungsperspektiven, die sich in unserem eigenen Archiv, dem menschlichen Gedächtnis, manifestieren.
Jürgen Partenheimer - Das Archiv - Le Bouleau Volant vom 16.11.2014 bis 04.01.2015. Weitere Informationen: HIER

Sonntag, 2. November 2014

Herbstzeit ist Gartenzeit

(Vechta) Bisher hat uns der Herbst schon mit einigen sonnenreichen Tagen erfreut. Mit einer frostigen Nacht wäre die Herbstlaub-Färbung wahrscheinlich noch intensiver gewesen. Doch wir wollen nicht klagen, sondern dem Lauf des Jahres folgend uns der inneren Einkehr zuwenden. Bis Weihnachten kommen noch einige Trauertage und auch die Gartenperiode ist auf Winterschlaf gestimmt. Herbst ist für den Japanischen Garten eine besondere Blütezeit. Denn gerade in der japanischen Gartenkunst wird dem Verfall eine große Bedeutung beigemessen. Schönheit, so sagt man, kommt erst so Recht zur Geltung, wenn man sich genügend dem Verfall widmet. Das ist ein seltener Gedanke in der heutigen Zeit, in der ein Superlativ den nächsten übertrumpft, und Schönheit so sehr übertreibt, dass sie schon wieder bei der Hässlichkeit heraus kommt.

Wie viele Gärten muss man schauen, bis man einen findet der wirklich durchkomponiert, ausgestaltet ist und eine natürliche Harmonie ausstrahlt? Einen dieser Gärten findet man in Vechta im Oldenburgischem Münsterland. Auf 7000 qm hat Josef Meyer über einen Zeitraum von 40 Jahren eine Gartenlandschaft erschaffen die bewundernswert ist. In den sieben Bereichen findet sich dort ein Teegarten, Betrachtungsgarten, ein Moostempel, ein japanischer Hausgarten, ein Wandelgarten, Shinden-Garten und zuletzt ein Zen-Garten. Wer in dieses Naturparadies eintritt, verlässt den Trubel der Welt und kehrt ein in die kontemplative Welt der künstlerischer Gartengestaltung.

Die Deutsche Verlags Anstalt hat kürzlich ein Buch herausgegeben die diesen Garten dokumentiert. Mit zahlreichen atmosphärischen Bildern von Nik Barlo jr. fotografiert und von Ursula Barth beschrieben, ist es ein Kleinod für Gartenliebhaber. Die sachkundigen kurzgehaltenen Texte geben einen guten Einblick in die Geschichte und Gestaltung von japanischen Gärten, wobei die Geschichte dieses Gartens in Vechta unaufdringlich am Rande mit erzählt wird. Wie schön wäre es gewesen wenn die Gestaltung des Buches mit der gleichen Kreativität und Sorgfalt ausgeführt worden wäre wie die beschriebenen Landschaften. Doch dieser kleine Makel schmälert kaum die beeindruckende Einblicke in eine faszinierende Welt.


Nik Barlo jr. und Ursula Barth - Ein japanischer Garten. ISBN 978-3-421-03945-3 gebunden mit Schutzumschlag 19,99€

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Ganz schön gerissen!

Asger Jorn - La femme si pres
(Emden) Die einen kleben es `ziglagig übereinander, um den Konsumenten zum Kauf von Dingen zu verführen, ein Künstler reißt die Lagen en bloc ab, um sie zu decollagieren. Der Künstler ist, oder besser war, der Däne Asger Jorn, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Um seine Kunst einzuordnen ist es hilfreich zu wissen, dass er Gründungsmitglied der Gruppe CoBrA war. Der Name sollte in der namentlichen Ähnlichkeit zur giftigen Kobra die Progressivität verdeutlichen, mit der die Künstler der Gruppe gegen akademische und gesellschaftliche Normen arbeiteten. Und er war der Mitbegründer der Situationistischen Internationalen, einer linksradikal orientierten Gruppe europäischer Künstler und Intellektueller die in den 60er Jahren aktiv waren. Jorns ausgestellte Arbeiten entstehen also im Spannungsfeld zwischen Kapitalismuskritik aber auch der Ablehnung von sozialistischer Planwirtschaft. Anarchismus?

Asger Jorn - Cabri-Cobra
Künstlerisch beeinflusst war er z.B. von Max Ernst und Pablo Picasso, was man zweifelsfrei und offensichtlich erkennt. Bei den 58 ausgestellten Arbeiten handelt es sich um Collagen und Decollagen. Die Collagen klebte er aus gerissenen Papieren über- und nebeneinander zusammen. Bei den Decollagen löste er große Segmente Plakate mit bis zu 20 Schichten von öffentlichen Plakattafeln ab. Aus diesen Stücken riss er im Atelier größere und dickere Papierfetzen heraus, hob behutsam einzelne Schichten ab oder zupfte Papierstückchen heraus. Dann arrangierte er mit technischer Raffinesse und Könnerschaft die unterschiedlichen Fragmente neu und fixierte das Ergebnis. Zum Teil malte und zeichnete er noch in die Komposition hinein.

Durch die großzügige Schenkung Otto van de Loos, des Galeristen und Wegbegleiters Asger Jorns, verfügt die Kunsthalle Emden jetzt mit 15 Werken über die größte Anzahl von Jorn-Arbeiten in einem deutschen Museum.  In der Ausstellung werden auch weiteren 43  Werke präsentiert, die aus fünf verschiedenen Ländern, fast ausschließlich aus Privatbesitz, stammen.
Asger Jorn - Petite-tete-a-grand-air

Parallel zeigt die Kunsthalle Emden „Künstlerräume“ Die Sammlung im Fokus. Nahezu zeitgleich mit jeder Sonderausstellung wechselt die Sammlungspräsentation. Im diesjährigen Programm „Künstlerräume“ sind einzelnen Künstlern ganze Kabinette oder Säle gewidmet. Im Zentrum der Betrachtung stehen Gemälde und Papierarbeiten von Heiner Altmeppen, Miriam Cahn, Lovis Corinth, Emil Nolde, Franz Radziwill, Hanns Ludwig, Per Kirkeby, A.R. Penck, Heimrad Prem, Arnulf Rainer und Emil Schumacher. Zwei Bereiche sind den Malern gewidmet die nicht in der Sammlung vertreten sind: Jan Oeltjen und Frank Wiebe.


Die Sonderausstellung: „Ganz schön gerissen!“ Asger Jorns Collagen und Decollagen ist noch bis 18. Jan. 2015 zu sehen. Weitere Infos