Inh. Friedo Stucke, Kastanienbogen 8 in 21776 Wanna  eigene.werte@t-online.de

Mittwoch, 15. Juli 2015

Der Untergang des Römischen Reiches

(Hannover) Am kommenden Wochenende findet die letzte Produktion des Theater an der Glocksee aus ihrem dreimonatigen Produktions- & Aktionsformat WILDWECHSEL statt. – Zur letzten Premiere lädt das Theater auf eine interaktive Entdeckungsreise in den privatisierten Raum ein: Der Untergang des Römischen Reiches
Rom - die zentrale Wirtschaftsmacht auf dem europäischen Kontinent. Reich, mächtig, fortschrittlich, expandierend. Und doch bricht das Imperium nach dem Höhepunkt seines europäischen Einflusses in sich zusammen. Dekadenz, Werteverfall, sozioökonomische Krise ließen Einfluss und Rückhalt schrumpfen.
Die Basilika, der Ort des Handels und des Reichtums einer immer kleiner werdenden Wirtschaftselite bildete auf diesen letzten Metern das Sinnbild von Maßlosigkeit. 
WILDWECHSEL macht sich auf die Suche nach den Basiliken des Hannoveraner Stadtlebens: Wir nehmen das Publikum mit auf eine Reise an einen zentralen Knotenpunkt des Überflusses. Wir werden die Anker lichten und gemeinsam auf Erkundung in den privatisierten Raum strömen. Eine interaktive Reise ohne Netz und im freien Fall. WILDWECHSEL goes wild & barely legal. 

Idee & Regie dieser Exkrusion von Philip Gregor Grüneberg. Ensemble: Lena Kußmann, Jennifer Ocampo Monsalve, Christiane Ostermayer, Philip Gregor Grüneberg. Technische Unterstützung Matthias Kreutzer, Jonas Vietzke.
Termine: 17. / 18. / 20. Juli, jeweils um 18 Uhr (Begrenzte Zuschauerzahl)
Treffpunkt: geheim, wird nach Reservierung per Mail mitgeteilt

ACHTUNG:  Jeder Zuschauer benötigt 1. SMARTPHONE und KOPFHÖRER (am besten In-Ear) um an dem Abend teilnehmen zu können.

Mehr Informationen auf: Theaterglocksee.de/Wildwechsel

Donnerstag, 9. Juli 2015

8. Sinfoniekonzert des OL Staatsorchesters mit Deutscher Erstaufführung

(Oldenburg) Am Sonntag dem 12. und Montag 13. Juli steht das 8. Sinfoniekonzert des Oldenburgischen Staatsorchesters ganz im Zeichen französischer Musik, das mit einer Deutschen Erstaufführung eröffnet wird - dem Konzert für Alt-Saxophon ,États d’âme' (zu Deutsch: Seelenleben, Gemütszustand) von Laurent Petitgirard.
Petitgirards Konzert stellt mit dem Saxophon ein Instrument in den Mittelpunkt, das in den 1840er Jahren über die französische Musik seinen Weg ins Sinfonieorchester fand und durch höchste Virtuosität ebenso wie durch die Magie seiner Klänge besticht.
Als Solist wird dabei Michel Supéra zu hören sein, der das Werk 2013 mit großem Erfolg aus der Taufe hob.
Anschließend sind Paul Dukas Ballettmusik ,La Péri‘ zu hören, die in ihren noch von der Romantik beeinflussten impressionistischen Klängen eindrücklich Zeugnis von Dukas' phänomenaler Orchestrierungskunst gibt.

Völlig neue Wege wollte César Franck mit seiner 1888 vollendeten Sinfonie d-Moll beschreiten und schaffte damit ein Werk, das den Vergleich zu den Sinfonien der großen Spätromantiker nicht zu scheuen braucht.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Kleine Werkschau Heike Rieck - „Von…Über…Bis“

(Bremen) Derzeit eröffnet die abstrakte Malerei von Heike Rieck die Grenzen der künstlerischen Fantasie in der Wallerie. In der von Delia Nordhaus betriebenen Galerie in einem unvermieteten Ladengeschäft im Walle-Center finden Monat für Monat wechselnde Ausstellungen statt. Dabei kommen junge viel versprechende Künstler aus der näheren Region zum Zuge und auch schon Mal Künstler die sich einen gewissen Rang erworben haben.

Seit neun Jahren widmet sich die gebürtige Berlinerin Heike Rieck der Malerei. Die künstlerische Anlagen der mittlerweile bekennenden Autodidaktin wurde schon in ihrer Schulzeit gefördert. In der aktuellen Ausstellung hängen Bilder aus ihrer Anfangszeit. Begonnen hat  Rieck mit knalligen Farben und erkennbaren Motiven. Auch diese ersten Arbeiten zeigten schon die Richtung in die abstrakte Malerei. Schemenhafte Motive lösten sich immer mehr in ein Spiel von nicht weiter nachvollziehbaren Linien, Flächen und amorphen Strukturen auf. Sie wechselte auch die Farbtönung; von leuchtendem Rot der ersten Bilder ist nichts mehr zu sehen. Sie fand ihre Farbe im Spiel feiner Abstufung meist im Grauen Spektrum oder in pastellfarbigem Rot, Braun, Grün, Blau.


Die neueren Bilder in der Wallerie haben Jute als zentrales Material, so wie Sand und Wasser. Rieck verarbeitet Transportsäcke von Waren, die eine lange Reise um die Welt hinter sich haben, in Ihren Bildern als gestalterisches Element.  Mit Spachtel aufgetragener farbiger Sand schaffte einen struktureichen Farbauftrag den Rieck manchmal mit großen Mengen gefärbten Wassers übergießt um mit Läufern eine weitere Gestaltungsebene zu schaffen. Vernissage bekommt hier wieder ihren ursprünglichen Sinn, trocknet hier zwar keine Ölfarbe, so sind die Wassermengen dennoch auf der Leinwand am verdunsten.
Atelier - Heike Rieck

Freitag, 26. Juni 2015

H.D. Thoreau - Walden im Theater an der Glocksee

(Hannover) Im Alter von 28 Jahren ging Henry David Thoreau in die Natur an den See Walden in Massachusetts. Er ging eine konsequente Erfahrung mit der Natur ein. Das Theater an der Glocksee untersucht nun in einem assoziativen Bühnenexperiment wie sich Thoreaus Aufzeichnungen aus heutiger Sicht in Bezug auf Wellness-, Natur- und Aussteiger-Magazine anhören - und welche Beobachtungen und Erfahrungen wir selbst machen könnten.

Die Vorstellungen am 1. und 3. July beginnen jeweils um 20:00
Karten gibt es hier

Sonntag, 7. Juni 2015

Lichthof und Lunatiks Recherche über Glücksspiel

© by Marcus Renner
(Hamburg) Tief gegraben, kompetent aufbereitet und mit künstlerischem Verve auf die Bühne gebracht, das haben Lunatiks Produktion und Lichthof Produktions mit der Recherche über Glücksmaschinen: AUTOMATEN.

Dokumentartheater, als eine Mischung aus Dokumentation und Theater, ist dann eine Kunstform, wenn die Recherche aus der Sachlichkeit in eine künstlerische Form übertragen wird. Wenn die Tatsachenanalyse zu einer Aussage oder Stellungnahme führt die mehr als die Summe der Fakten ergibt, dann entsteht der nötige Abstand von der Realität, ein Abstand den man braucht um sich ein neues Urteil zu bilden. Wenn Theater das leistet, dann ist etwas künstlerisch wertvolles entstanden. Mit AUTOMATEN von Lunatiks und Lichthof ist diese Werteschöpfung gelungen. Vor allem muss man die enorme und kompetente Arbeit nennen die in der Recherche steckt mit Interviews und anschließender Transkription, Erkundigungen aus Verordnungen, Gesetzen, Verbänden, Suchtberater und vielen anderen Quellen, und der darauf folgenden Textfassung von Janette Mickan. Es ist aber keineswegs der Umfang der Arbeit den man hervorheben darf, Kunst macht ja bekanntlich immer viel Arbeit, sondern die schlüssige Aufbereitung und, sagen wir ruhig Dichtung, zu einem dramaturgischem Text. Es wird eine Geschichte erzählt wie man es im Theater erwartet und gleichzeitig blicken die konkreten Informationen unverkennbar durch.

Das die Datenflut, über ein nicht gerade prickelndes Thema wie der Spielsucht, dennoch fesselnd im ausverkauftem Haus des Lichthof Theater ankam, ist der Inszenierung von Hanna Müller zu verdanken. Vom ersten Moment wird man in eine Spielhölle versetzt. Ein überdimensionaler Münzspielautomat lost die ersten Gewinne aus. Zwei Kirschen und eine 7 - die Gewinner sitzen im Publikum, deren Eintrittskarte mit entsprechenden Symbolen gekennzeichnet sind. Damit gaukeln sie dem noch zögernden präsumtiven Spieler die Aussicht auf Gewinne vor. Versprechen, locken verführen - das sind die Schlüsselattribute. Die Belohnung die man im Leben nicht bekommt kann man sich über das Spiel eröffnen. Da aber auch verlieren zum Spiel gehört, muss man sich - um sich der Belohnung nachhaltig zu vergewissern - dem System von Einsatz und Verlust oder Gewinn fortwährendem ausliefern. Tut man das, und immerhin 1,6% der Weltbevölkerung tut dies, wird man nachweislich Spielsüchtig. So wie man von Kokain süchtig wird. Bei den Automaten ist die Gewinnausschüttung programmiert, und wer Spielbanken und -hallen betreiben darf ist gesetzlich geregelt. Auf diese Weise ist der Staat einer der besten Verdiener am Glücksspiel. 

In der inszenierten Spielhölle im Lichthof der Lunatiks berichten verschiedene Personen über ihre Biografie, wie sie zum Spiel kamen, siegten und untergingen. Die drei Darsteller: Camill Jammal, Thomas Mehlhorn und Christine Rollar sind ein dynamisches Ensemble, denen die Spielfreude aus allen Poren quillt. Die Personen sind ein heutiger Obdachloser, der seinen Einstieg in die Spielsucht als Kind mit Gesellschaftsspielen in der Familie erlebte. Er glaubte das Spiel austricksen zu können. Oder es berichtet ein Croupier von seinen kleine Manipulationen am Roulettetisch, oder der Chef der Merkur Spielhallen erzählt von seinen riesigen Umsätzen und guten Taten die er mit Erlösen aus dem Glückspiel ermöglichte, oder das Looserpaar welches mit Bestechungen und kreativer Auslegung von Gesetzen eine Kette von Spielhallen aufmachte. Es gibt noch viele andere Typen die berichten, und immer sind die Schicksale mit einer sicheren Hand im Charakter gezeichnet. Es ist eine Wonne die aufschießenden Träume und den gnadenlosen Verfall mitzuerleben. Wie ein Feuerwerk nicht enden wollender Ideen, sprudeln die Geschichten und Fakten von der Bühne. Da spielt einer Klavier, andere erzeugen Umgebungsgeräusche auf einer Loopmaschine, die Biografien werden nebeneinander und übereinander erzählt und treffen sich auch mal. Hier eine Perücke, da eine Lachsalve, dort gespannte Aufmerksamkeit, als nach 60 Minuten Schluss ist, hat man das Gefühl wie nach einer Woche Achterbahn.

Wer zu den folgenden Aufführungsterminen schon was vor hat, der sollte es absagen.  Hier spielt das Leben: 11.06., 12.06. + 13.06. um 20:15 und Sonntag 14.06. um 19:00. Reservierung (hierfür sicherlich angesagt) unter Tel.: 040-855 00 840

Am 13. Juni läd Die Boje e.V. ab 19:00 ins Lichthof Theater Foyer zur Information über Glücksspiel und Spielerschutz ein. Im Anschluss an die Vorstellung gibt es eine Podiumsdiskussion zum Thema. Lichthof-Theater HH

Montag, 25. Mai 2015

Programm-highlights im Schnürschuh Theaterhaus HB

Tschick © Schnürschuh Theaterhaus
(Bremen) Hier einige Programmhinweise auf Vorstellungen im Schnürschuh Theaterhaus im Buntentorsteinweg 145 in Bremen bis Mitte Juni.

Inflagranti - Sommer, Sonne, Gute Laune sind Geschichten, die im Sommer passiert sind oder geschehen können. Folgen sie der Sonne in ihrem Herzen und nehmen sie Gute Laune mit nach Hause! Ein Vorgeschmack auf die kommenden Ferien. Da glüht das Urlauberherz. Bei dieser Show dürfen die Zuschauer mit Rosen und nassen Schwämmen werfen. Am Di. 05.05.15 um 20.00 Uhr

Tschick - nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Es gibt sie tatsächlich: die sprichwörtliche Walachei. Dorthin unterwegs: zwei Jungs, beide aus verschiedenen Gründen Außenseiter, beide 14 Jahre alt. Der Eine: Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow. Ein russischer Migrant, klug, aber schweigsam im Unterricht, erscheint schon mal alkoholisiert in der Schule. Der Andere: Maik Klingenberg, wohlstandsverwahrlost, kein Spitzname. Und hoffnungslos verliebt in Tatjana Cosic, die „super“ aussieht. Vater nahezu bankrotter Geschäftsmann mit Geliebter, Mutter zwischen Entzugsklinik und Tennisplatz lebend. 
Maik und Tschick werden zu Beginn der Sommerferien als einzige nicht zum Geburtstag der Klassenschönsten Tatjana eingeladen. Das verbindet. Dann steht Tschick mit einem geklauten, nein, geliehenen, schrottreifen Lada vor der Tür. Mit Geld und Auto brechen die beiden kaum Fünfzehnjährigen auf, zu einer Fahrt in Blaue. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz. 
Regie: Christoph Jacobi. Es spielen: Susanne Baum, Mathias Hilbig, Pascal Makowka, Holger Spengler an den folgenden Terminen:
Mi. 03.06.15 10.00 Uhr
Do. 04.06.15 10.00 Uhr und 19.00 Uhr
Sa. 20.06.15 20.00 Uhr
Mi. 24.05.15 10.00 Uhr
Do. 25.06.15 10.00 Uhr

SpamFilter - So sieht es aus ?! 
Zum zweiten Mal begrüßen wir SpamFilter, die Jugendkabarettgruppe des Schnürschuh unter der Leitung von Anna Hilbig, auf der Bühne! Wer wissen möchte, wie unsere Jugend tickt, sollte dieses Feuerwerk aus Trash, Kabarett und Comedy nicht verpassen. In unterschiedlichen Szenen präsentiert die bunte Truppe das Zerrbild ihrer/unserer Wirklichkeit. Schwarzer Humor trifft auf harmlose Alltäglichkeit, Anarchie auf gesellschaftliche Normen; da muss man schon zwischen Lachen und Weinen unterscheiden können.  „So sieht es aus ?!“  ist eine Feststellung, die resignativ, verwundert, oder kämpferisch auf Veränderung drängend gemacht werden kann. Das Fragezeichen steht für den Zweifel, eben für die Fragen: Ist es wirklich so? Oder eben nicht ?
Sa. 06.06., So. 07.06. und So. 14.06.15 jeweils um 19.00  Uhr

Karten: HIER

Sonntag, 24. Mai 2015

Geschichte einer Tigerin - Lichthof Theater HH

@ Philipp Hamedl
(Hamburg) Angenommen, Theater sei der Ort an dem Geschichten erzählt werden, die mehr benennen, hintergründiger ausloten und eine universellere Relevanz haben als das auslösende Erlebnis, und angenommen, eine solche Darbietung könnte die Zuschauer/Zuhörer auf eine Weise erreichen, dass sie mit Freude partizipieren an dem was ihnen geboten wird, dann hat Nanzikambe Arts / Theater Konstanz dieses Ziel mit The Story of a Tiger voll und ganz erreicht.

Nur ein Mann kommt auf die Bühne. Einziges Requisit ist ein aus Pappmaché geformter Fels, ein Element, das den leergefegten Bühnenraum in eine potentielle Wildnis verwandelt. Mbene Mbunga Mwambene schöpft nun aus einem reichen Repertoire darstellerischen Fähigkeiten. Er spricht auf ganz persönliche, fast private, Art zu und mit dem Publikum. Es dauert nicht lang, bis er hat es geschafft hat den norddeutsch reservierten Menschenschlag aus der Reserve zu locken. Er trägt mit knappen in englischer Sprache gefassten Worten die Geschichte vor. Wie er als Opfer mit einer Schusswunde von einer Demonstration verletzt in den Dschungel flieht und in einer Höhle unterschlüpft. Dort von einer Tigerin mit deren Nachwuchs geheilt wird und Freundschaft schließt, und schließlich diese Freundschaft sich in der Zivilisation fortsetzt und auswirkt. Jeder der ein paar Brocken Englisch versteht kann dieser Geschichte verfolgen. Den Mbene Mbunga Mwambene verbindet seine eindeutige Körpersprache mit dem gesprochenem Wort, er kommuniziert mit allen Sinnen. Die darüber hinaus gehende Komik in der Geschichte ist nicht nur durch die gekonnte Darstellung begründet; Das Stück „The Story of a Tiger“ ist die englische Version nach Dario Fo - Geschichte einer Tigerin.

In dem 75 Minuten dauerndem Spiel gibt es nur wenige Lichtwechsel und nicht eine einzige Toneinspielung. Dennoch verfolgten die Zuschauer mit großer Spannung jede Einzelheit von Tragik, Komik, Intimität, Angst, Staatsterror, Wut und Hoffnung. Von Lachsalven bis zu betroffenem zuhören erreichte Mbene Mbunga Mwambene jede Nuance. Ob er mit seiner Stimme einen Russischen Bauern nachahmte oder einen italienischen Tenor, ob Pantomime, Modern Dance oder Persiflage von Popsongs - er spielt reduziert auf das Wesentliche in einer klaren Bildsprache. Dieser Abend gehört zu den wenigen Erlebnissen im Theater, die man wie einen Schatz ein Leben lang mit sich trägt und davon zerrt.


Die nächsten Vorstellungen sind am Di. 26. Mai um 15:00 Honigfabrik, Industriestr. 125-131, in Hamburg, Fr. 29. Mai um 19:30 Jahrmarktstheater, Bostelwiebeck 24 in Altenmedingen, und am Sa. 30. Mai um 20:00 theaterSchlachthof, Findorffstr. 51 in Bremen.

Samstag, 23. Mai 2015

friendly fire erforscht Zooropa

(Oldenburg) Alle Bereiche unseres Lebens sind bestimmt von wirtschaftlichen Interessen. Von Tourismusforschung die unsere Freizeit bestimmt bis zum social freezing mit der unsere Planung von Karriere und Fortpflanzung reguliert wird. Seltsam, dass es einen Bereich gibt der eine so geringe Aufmerksamkeit in der Forschung genießt wie die Kreativität auf der Bühne. Diesem Missstand stellt das Theater wrede+ in Oldenburg seit fünf Jahren ein Programm entgegen: flausen+ young artists in residence. Dreimal im Jahr können junge Theater Ensembles für einen Zeitraum von vier Wochen im Theater wrede+  forschen. Forschen bedeutet dabei Wege zu beschreiten die nicht unmittelbar zu einem wirtschaftlichem Erfolg führen müssen. Dieser Freiraum ist so bitter nötig im Theater, wo seit einigen Jahren der Rotstift über jede Inszenierung wie ein Damoklesschwert baumelt. Egal ob es die Freien Theater oder die Staatstheater sind, es sind, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, immer die ökonomischen Zwänge die die künstlerischen bestimmen. Da stellt sich die Frage wie sich die Kultur in einem Land wie der BRD entwickelt, entwickeln sollte, und sich bereits entwickelt hat!?

Am Dienstag war im Theater wrede+ in der Klävemannstraße 16 das 15. making of von flausen+. Die internationale Gruppe friendly fire aus Leipzig mit Melanie Albrecht, Helena Wölfel, Isabel Soares und Michael Wehren. stellten mit dem Titel „Zooropa - Safari Park Oldenburg Jetzt!“ ihre Forschung vor. Die Gruppe hatte sich intensiv mit der Zooarchitektur beschäftigt, mit dem Leben der Tiere und wie die Menschen den Lebensraum Zoo betreiben und besuchen. In dem making of wurde das Publikum mit einem Wechsel der eigenen Blickrichtung konfrontiert. Angenommen der Mensch würde mit den Augen von Tieren auf DAS MENSCH schauen der sich in seinem „nachgestaltetem“ Lebensraum bewegt, z.B. der Stadt in der erlebt. Oldenburg ein Zoo für DAS MENSCH. Bei der Performance die im Theater begann wurden die Zuschauer auf den zoologischen Lebensraum mit einem Video, Textprojektionen, Tierstimmenkullisse bei Dunkelheit und einem zoologischen Regelwerk eingestimmt. Anschließend führten die Akteure das Publikum in zwei Gruppen in den natürlichen Lebensraum von DAS MENSCH. Eine Gruppe machte einen walk über den Bahnhof, die andere zu einer Brache hinter dem Cinemaxx. Bei diesen walks, die wie eine Führung durch einen fremden Lebensraum angelegt waren, erreichten die Beteiligten eine neue reflektierende Sicht - auf den Zoo den sie täglich durchschreiten. Anschließend wurden die Gruppen wieder zusammengeführt zu einem austauschenden Gespräch. 

In dem Austausch erzählten die Zuschauer ihre Eindrücke und weiterführenden Gedanken. Die Akteure von friendly fire konnten noch ergänzend über ihre Arbeit sprechen und Einblick in Hintergründe öffnen. Da es eine Arbeit im Prozess ist konnten auch weitere Fragen angesprochen werden, die die weitere Arbeit von friendly fire begleiten wird. Offensichtlich besteht ein Interesse sich in dieser Form auch öffentlich mit Fragen des Theaters zu beschäftigen. In einer sachlichen und beflügelnden Gesprächsrunde, die in englisch und deutsch verlief, zeigte sich eine intensive Beteiligung. Man darf auf das nächste making of im Theater wrede+ sehr gespannt sein. flausen

Montag, 18. Mai 2015

Schwundregion gab Gastspiel in HH

(Hamburg) Schwundregion ist da wo die Generation Arthritis von der Smart-Phone-Generation zurück gelassen wird. Die verödeten Landstriche bieten sich dann den spekulativen Gen-Mais-Industrieellem Anbaufläche für ihre Experimente mit nicht zugelassenem Saatgut. Das Jahrmarkttheater aus Bostelwiebeck zeigte mit „Stadt Land Wurst“ im Lichthof  Theater eine Komödie vom Land die sowohl kritisch wie amüsant ist.

Wo liegt den Bostelwiebeck, gibt es den Ort überhaupt oder ist der Name erfunden? Nein, das Dorf ist real. Man findet es in der Region in der eine Gesellschaftskritik mit Trecker-Blockaden ausgedrückt wird; dem Wendland. Was man andernorts als schwarzen Humor bezeichnet, ist dort schon Mal gewöhnlicher Umgangston. Und diesen Ton hat Thomas Matschoß wunderbar eingefangen, als er die Komödie schrieb. Es ist eine Mischung aus Ohnsorg-Theater und Schmidt-Show vom Hamburger Kiez. In Bostelwiebeck spielte das Ensemble bereits 35 mal vor ausverkauftem Haus. Die Landkomödie ins Lichthof verpflanzt, wurde dort von den Hamburgern mit Begeisterung aufgenommen, auch wenn nicht jeder Gag für die Städter eingängig war.

Valentina-Sophia hat von ihrem Onkel Wanja einen Bauernhof geerbt. Trotz - oder eben wegen - Navi verfährt sie sich und bleibt im Torf stecken. Bernie der letzte Jungspund und designierter Nachfolger der familiären Dorfschlachterei wird aufgefordert sie abzuschleppen. Erst das Auto und dann sie. Doch für Valentina-Sophia braucht er die gesamte Komödie um sich über viele Umwege, Enttäuschungen und Missverständnisse an sie heranzupirschen. Neben dieser kurvenreichen Liebesgeschichte kommen so nach und nach die Geschichten vom Dorf dazu: Nicht zugelassenes Saatgut für Genmais, Homosexualität, vegane Ernährung, industriell-monokulturelle Landwirtschaft und natürlich die Land/Stadtflucht. Bestechend scharf gezeichnet sind die Charaktere und faszinierend die Wandlungsfähigkeit der Darsteller. Unbedingt hervorzuheben ist da Tahere Nikkhoyemehrdad als Oma Elli, im nächsten Augenblick der Inder mit dem Saatgut oder als Babs vom Lande. Mit kleinen Filmen, die original für die Inszenierung aufgenommen wurden, wird die Komödie aus der Fantasie herausgehoben und in einen realen aktuellen Rahmen gesetzt, ohne an Witz einzubüssen.


Dieses Gute-Laune-Theater macht Appetit auf das Sommertheater in Wettenbostel vom 6. bis 12. Juni und 30. July bis 30. August, das vom Jahrmarkttheater organisiert wird. Dann wird es auch ein bisschen ernsthafter mit „Hamlet, ein Mordspiel“, „Schwein oder Nichtschwein“ oder der one-man-one-family-show „Familien Quartett. Übrigands: Wettenbostel liegt in der Nähe von Bostelwiebeck. Also unbedingt Navi mitnehmen! Jahrmarkttheater

Sonntag, 17. Mai 2015

Prunk und Pleite der Nordwolle Bremen

(Bremen) Unternehmenspleiten können ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen - 1931 löste der Konkurs der Brüder Lahusen eine Bankenkrise aus und spitzte die Weltwirtschaftskrise zu. Der Prozess gegen die beiden Brüder wegen Veruntreuung und Bilanzfälschung warf ein Schlaglicht auf einen beispiellosen Filz von Wirtschaft und Politik. Bis heute sind viele Fragen rund um den Konkurs nicht beantwortet. Zum ersten Mal beschreibt die Lesung auch den Weg G.C. Lahusens nach seiner Haftentlassung. 1941 stand er wieder vor Gericht, dieses Mal in Berlin.

Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie - über den Konkurs der Nordwolle und die Folgen, zeigt die Bremer Shakespeare Company in einer Szenischen Lesung mit Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz u.a.. Die Premiere ist am Dienstag, 19. Mai um 19:30 im Theater am Leibnizplatz, Schulstr. 26. Die Lesung entstand in Kooperation zwischen der Uni Bremen und der Bremer Shakespeare Company in der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Die Originaldokumente bilden einen der größten Wirtschaftsskandale der absterbenden Weimarer Republik ab.


Weitere Termine: 29. Mai, 04., 09. und 22. Juni, und 01. July im Theater am Leibnizplatz, so wie am 02. July in der Nordwolle Delmenhorst, jeweils um 19:30

Freitag, 15. Mai 2015

Tanz und Puppe gegen das Vergessen

Ausencia @ Marianne Menke
(Bremen) Im Abendprogramm zeigt das kleine feine Theater in der Schildstr. 21, Mensch,Puppe! die Uraufführung Ausencia / Abwesenheit. Eine Kombination von Figurentheater und Tanz um ein Thema dessen Aktualität nicht vergehen will und kann.

Menschen verschwinden als Teil der hilflosen Herrschaftsbemühungen Argentiniens Militärdiktatur von 1976 bis 1983. Spurlos aus dem Weg geschafft wurden nahezu 30.000 Menschen / Familienmitglieder. Die Angehörigen bekamen keine Nachricht über den Verbleib der Verschwundenen. Staatsterror geht Hand in Hand mit Lügen, Ungewissheit und willkürlicher Bestrafung nach kruder Rechtsauffassung. Parallelen zu aktuellen Zuständen an vielen Orten auf der Erde sind leicht und in großer Zahl zu finden. Mit der Inszenierung von Mensch, Puppe! Ausencia / Abwesenheit kommt vor allem die sprachlose Ohnmacht der betroffen Zurückgebliebenen in Fokus.

Leere Stühle auf denen die Abwesenden sitzen, ein Klavier, das für die entfernten Verwandten spielt, ein Tänzer (Tomas Bünger auch Choreografie) der vergeblich, sehnsüchtig, verzweifelt und verstört versucht mit den nicht Anwesenden in Kontakt zu treten. All das trägt ästhetisch die Beklemmung der Zurückgebliebenen. Das ist das Leiden, dass die Staatsmächte statt regieren anwenden - gnadenlose Kontrolle! Es ist ein Zeichen von Schwäche, wenn Staatsmacht (demokratisch oder diktatorisch) kontrolliert und mit Gesetzen Ordnung zu erzwingen versucht. Die Reaktion in Argentinien war und ist beeindruckend stark und simple. Die Angehörigen erkennen selbst nach 40 Jahren nicht an, dass die spurlos verschwundenen tot sind. Sie werden es so lange nicht anerkennen, bis ihnen die Körper zurück gegeben werden. In der Inszenierung tritt der leibhaftige Tod auf. Er ist der ungesehene Partner einer ganzen Generation mit dem man spielt, den man ignoriert, dessen konkrete Anwesenheit aber unvermeidlich immer präsent ist. Der doppelbödige Dialog mit dem Tod und den Abwesenden wird durch die experimentelle Musik von Alexander Seemann hervorgehoben. Klänge wandeln unhörbare Worte in Dialoge, und Bünger kehrt das Innere physisch hervor - lässt damit die Abwesenden für einen zarten Hauch der Nähe aus der Vergangenheit auftauchen.


Ausencia / Abwesenheit wird im Figurentheater Mensch, Puppe! im Abendprogramm wieder am 29. Mai um 20:00 gezeigt. Durch die Verbindung von Tanz und Puppenspiel und der im Spiel integrierten Musik, entsteht eine Zwischenwelt von Angst, Verlust, Terror und Hoffnung, die dem Vergessen den Spiegel hinhält. MENSCH, PUPPE!

Dienstag, 12. Mai 2015

Frisch aus Berlin

Dominik Halmer © by Bernd Borchardt
(Oldenburg) Das Stadtmuseum Oldenburg ermöglicht diesen Sommer mit „FRISCH aus Berlin“ Einblicke in eine besondere Sammlung. Die Ausstellung ist vom 14. Juni bis 30. August zu sehen und zeigt Gemälde, Papierarbeiten, Zeichnungen und Skulpturen aus den Jahren 1958 bis 2014 aus der Sammlung von Dr. Harald und Kornelia Frisch aus Berlin. „Diese Ausstellung vereint über 50 Jahre Sammler-Leidenschaft“, sagt Museumsdirektor und Kurator Dr. Friedrich Scheele und verrät, was den Besucher erwarten wird: „Expressiver Farbrausch auf der einen, unterkühlter, gesellschaftskritisch geprägter, eher sachlicher Stil auf der anderen Seite – beide Darstellungsformen deuten die gestalterische Vielfalt eines Handlungsstranges, einer Exposition an, die einer echten Entdeckung oder einer Wieder-Entdeckung nahekommt, je nachdem von welcher Seite man schaut.“
Die Frischs, um die es hier geht, sind keine Unbekannten in der Berliner Kunstlandschaft, da sie als Sammler seit über vier Jahrzehnten aktiv sind und auch bis 2013 für einige Jahre eine eigene Kunsthalle in Berlin – hinter dem Hamburger Bahnhof – betrieben. In den frühen siebziger Jahren fiel die Entscheidung, originale Kunst zu sammeln und Künstlerbegegnungen zu suchen, um zu einem tieferen Verständnis der Kunstwerke zu kommen. Natürlich stehen dabei Berliner Künstler am Anfang, wie die Namen von Bernd Koberling, Karl- Heinz Hödicke, Eugen Schönebeck oder Walter Stöhrer anzeigen. Frühe Ergänzungen sind mit C.O. Paeffgen, Michael Buthe, Rainer Fetting, Helmut Middendorf oder Salome verknüpft. Ebenso sind Hartwig Ebersbach und Dietrich Lusici Chronisten einer besonderen gesellschaftskritischen deutschen Befindlichkeit. Thomas Hartmann, Anton Henning, Wolfram Sachs oder Miram Vlaming stehen als Vertreter der Landschaftsmalerei für sog. Zeit-Sinnbilder, während z.B. Albert Pümpel, Bernd Schwarting oder Heinrich Stichter Sonderpositionen bieten.
Aktuelle Künstlerinnen und Künstler wie Martin Assig, Armin Boehm, Anton Hennig, Valerie Favre und Thomas Zipp haben die Frischs bereits vor einigen Jahren in ihre Sammlung aufgenommen. Diese heute bereits etablierten Positionen – neben nicht minder akzeptierten, sehr differenzierten Perspektiven wie die von Gama, Dominik Halmer oder Thomas Helbig – stehen für eine je sehr eigene Bildanalyse und Weltbetrachtung: die Begeisterung für tiefere Absurditäten und Grotesken, für eine inhaltliche und formale Auseinandersetzung mit einer essentiellen Problematik, nämlich der Wiederspiegelung von Welt(en).
Insgesamt präsentiert die Auswahl zur Ausstellung mehr als 30 Positionen von namhaften und weniger bekannten Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit der malerischen Erfassung von Welt, der bildlichen


Beschreibung des jeweiligen Weltentwurfs, dem Imaginären, Symbolischen und Surrealen beschäftigen. Die Frischs sprechen gern von einem Dialog mit konsequent glaubwürdigen Künstlerinnen und Künstlern. Immer appellieren ihre Künstler mit traumhaften Bildwelten an tiefer liegende Bewusstseinsschichten des Menschen. Irreale Bildräume, aberwitzige Visionen kennzeichnen zum einen die phantastische Malerei. Zum anderen sind gegenständliche Bilder mit politisch gesellschaftskritischen Inhalten ebenso zu sehen wie Themen der „Stadt-Land-Mensch-Beziehung“. Die von Künstlerfreundschaften und inhaltlicher Neugier geprägte Sammelleidenschaft und mithin auch Zeitzeugenschaft ist bemerkenswert, da sie unweigerlich ihre eigene Kunstgeschichte schreibt. Zur Vision ihrer Sammlung sagen die Frischs: „Immer noch mit frischem neugierigen Blick Kunst sammeln!“

Sonntag, 10. Mai 2015

Das Programm des 9. Deutsch-Niederländischen Kinder- und Jugendtheaterfestival vis-à-vis

© Landesbühne-Nord
(Wilhelmshaven) Vom 11. bis 13. Juni 2015 findet in Aurich das 9. Deutsch-Niederländische Kinder- und Jugendtheaterfestival vis-à-vis statt. Es wird zum dritten Mal gemeinsam von der Landesbühne und der Stadt Aurich veranstaltet.  In der Stadthalle und dem Carolinenhof werden sieben Produktionen namhafter Ensembles und Theater präsentiert. Vom pas de deux einer Tänzerin mit einem Musiker für die Allerkleinsten über performative Rauminstallationen bis zum interaktiven Tanztheater sind die verschiedensten Formen des Kinder- und Jugendtheaters vertreten. 
Den Anfang macht das „Danstheater AYA“ - Stammgast bei vis-à-vis und das nicht ohne Grund: Die Tänzer und die Choreografien strahlen eine unglaubliche Stärke und Anziehungskraft aus, auch bei der neuesten Produktion „Erste Keer“ / „Das erste Mal“ für Menschen ab 12 Jahren. 
„De Grote Ries“ / „Die Große Reise“ von Judith Nab aus Amsterdam lädt Menschen ab  4 Jahren in einem echten Bus auf große Weltreise ein – und das in 40 Minuten. Gaia Gonnelli  ist mit ihrer neuen Produktion „Ondersteboven“ / „Verkehrtherum“ mit einem pas de deux mit dem Musiker Wiebe Gotink für Menschen ab 2 Jahren mit dabei. Im Anschluss an die Vorstellung wird ein Workshop für Kinder angeboten, Anmeldung hierfür bei der Jungen Landesbühne. Frl. Wunder AG nehmen ihr Publikum ab 8 Jahren mit auf Erinnerungsentdeckungsreise und spüren gemeinsam mit den Zuschauern Familiengeschichten rund um Aus- und Einwanderung und Reisen nach. „Rad Von Avontuur“ / Glücksrad“ von Jaako Toivonen ist eine interaktive Tanzvorstellung für alle von 3 Jahren bis ins hohe Alter rund um die Romantik des Spiels, das Unerwartete und den Zauber des Varieté. Die Junge Landesbühne ist mit den beiden Produktionen „Das Ding“, einer rasanten Globalisierungskomödie von Philipp Löhle für alle ab 13 Jahren und dem Bollywoodmusical für Menschen ab 6 Jahren „Die Mutige Kanha De“ vertreten.
Konzerte unter anderem mit den preisgekrönten Rappern „Deine Freunde“ aus Hamburg, die Rap, Hip Hop und klassische Kinderlieder kombinieren, Präsentationen von Auricher Tanz- und Theatergruppen, der Kunstschule der Stadt Aurich miraculum, zahlreiche Workshops mit dem Ensemble und Mitarbeitern der Landesbühne und Gesprächsrunden vervollständigen das Programm. vis-à-vis zeigt Theater, das man sonst nur nach weiten Anreisen erleben kann – drei Tage komprimiert an einem Ort, der Auricher Innenstadt, in der Stadthalle und dem Carolinenhof. Die Chance sollte genutzt werden, auf nach Aurich!
Eintrittskarten sind bei der Stadt Aurich – Kultur 04941-123322 erhältlich.

Das komplette Programm und Infos rund um vis-à-vis gibt es bei der Jungen Landesbühne unter: Landesbuehne-Nord

Sonntag, 3. Mai 2015

Wenn man im Krieg erwachsen wird

Peter Fasching + Justus Ritter © Jörg Landsberg
(Bremen) Ausserhalb vom Spielplan gibt es die Möglichkeit für Nachwuchs am Theater Bremen eigene erste Regiearbeiten zu realisieren. Theresa Welge, die schon über eine umfangreiche Erfahrung als Regieassistentin verfügt, stellt ihre erste Inszenierung am Theater Bremen vor. Mit der Roman Adaption von Ágota Kristóf -Das große Heft, der erste Teil einer Trilogie, hinterlässt Welge einen signifikanten Fussabdruck im Brauhauskeller. Die Tiefe des Raums bietet ihr ein abwechslungsreiches Spiel mit Nähe und Distanz zwischen Publikum und zu erzählender Geschichte. Das Bühnenbild selbst ist der geistige Raum eines großen Heftes, in das die eineiigen Zwillinge ihre Erlebnisse schreiben. Sie wurden von Ihrer Mutter aufs Land zur unfreundlichen Großmutter gebracht, weil in der Stadt Krieg herrscht. Für die Kinder ist die Stadt weit weg, und das neue Umfeld beängstigend und feindlich, so dass sie sich heranwachsend ihr eigenes Exil im Exil schaffen.

Die Inszenierung ist literarisch. Dabei kommt die Wesensart der Autorin Ágota Kristóf stark zum tragen. Sachlichkeit in strengster Form. Die Zwillinge, die das große Heft mit ihren Erfahrungen voll geschrieben haben, sprechen wie aus einem Mund. Sie sind sich nicht einig wie Brüder es sind, wenn sie verschwörerisch etwas verbotenes tun, sondern weil sie ausgestoßen sind, in der feindlichen Fremde, und sich zu einer Persönlichkeit zusammenschweißen. Es ist Angst die sie vereint. Es sind Kinder die ihre elterliche Bindung verloren haben. Und mit der verlorenen Fürsorge müssen sie nun Abseits der Zivilisation erwachsen werden. Der Krieg ist zu hören aus der fernen Stadt. Doch die Verrohung, die Krieg mit sich bringt, breitet sich auch bei der primitiven Landbevölkerung aus. Sie lernen auf die vor Hass triefenden Beleidigungen zu reagieren. Und weil sie keine kulturell gebildeten Vorbilder finden, spiegeln sie die dumm dreisten Umgangsformen Ihrer Mitmenschen. Die Abwesenheit von Liebe, Geborgenheit und von Männern beschert ihnen einen frühen und verwirrenden Weg in die eigene Sexualität. Jemand hat einmal gesagt: Krieg bringt die grausamsten Seiten im Menschen hervor. Oohja!

In dem Psychogramm der Tötungslust von Klaus Theweleit - „Das Lachen der Täter“ wird anhand zahlreicher Beispiele gezeigt welch seelische Struktur Menschen - hauptsächlich Männer - haben müssen um zu töten, um zu vergewaltigen. Kriege, Terror, Hinrichtungen, Morde, physische Gewalt an Schulen und erniedrigende Denunziationen werden überall auf der Welt in zunehmender Weise von staatlichen oder staatsfeindlichen Individuen ausgeführt. Es gibt keine einzige Nachrichten Sendung ohne Berichte über brutalste Gewalt. Ist das die Zukunft die wir haben wollen? Theresa Welges Inszenierung legt ihren Finger genau in diese Wunde der Zivilisation. In einer stoischen Erzählweise führt sie die Zuschauer durch die Geschichte dieser Zwillinge. Zuschauer sind wir - teilnahmslose Zuschauer die der gelungenen Inszenierung applaudieren und hinterher diskutierend einen Rotwein trinken. Komatös gehen wir wieder unserem Alltagsgeschäften nach. Anstatt für den Frieden zu handeln reden wir über Sicherheit.

Die Autorin Ágota Kristóf wechselt oft die Erzählperspektive, was eine gewisse Verwirrung mit sich bringt, und die ausgesprochenen Positionen damit auf mehrere mögliche Personen ausdehnt; damit sinkt die Möglichkeit sich vom Gesagtem zu distanzieren. Sie ist auch nicht darum bemüht eine Aufklärung zu liefern. Wozu auch? Wir haben vielleicht gelernt mit Messer und Gabel zu essen und nicht in Hauseingänge zu urinieren, aber eine Kommunikationsform, die den Krieg, das massenhafte sinnlose Hinschlachten von Menschen, abschafft, haben wir noch nicht kultiviert. 


Ohne eine gewissen Kenntnis über die Autorin und eine Einführung in das Stück wird man Mühe haben dem etwas symbolschwerem Spiel zu folgen. Es ist aber auch kein Stück für Bildungsbürger mit Hausrats- und Arbeitslosenversicherung. Es ist jedoch sicherlich ein Stück für Schulklassen, denn es birgt ein großes Potential für politische Bildung. Weitere Vorstellungen sind am 4. + 27. Mai jeweils um 20:00

Samstag, 2. Mai 2015

Karin Kneffel - Fallstudien

(Bremerhaven) Der Kunstverein Bremerhaven gibt mit der Ausstellung „Fallstudien“, vom 10.Mai bis 21. Juni 2015, einen Überblick über die Werkgruppe der Arbeiten auf Papier der Künstlerin Karin Kneffel. Mit mehr als 60 Exponaten wird ein Blick in ihre Arbeit der letzten 20 Jahre gegeben. Viele der meist eher kleinen Formate bilden autonome Werkkomplexe, andere wiederum sind Studien für großformatige Arbeiten in Öl auf Leinwand, von denen der Kunstverein einige im Sonderausstellungsraum des Kunstmuseums Bremerhaven zeigen kann. Etwa ein Viertel der Exponate stammen aus dem Atelier der Künstlerin. Ergänzt wir die Ausstellung durch zahlreiche Leihgaben aus Privatbesitz sowie namhafter Galerien.

Karin Kneffels Arbeiten werden seit mehr als 20 Jahren national und international gezeigt. Bereits 1994 widmete der Kunstverein ihr eine Ausstellung in der Kunsthalle. Es war für sie die erste in einem institutionellen Rahmen. Damals zeigte Kneffel große Feuerbilder, 100 der inzwischen berühmten Tierportraits und erstmals Aquarelle mit Früchten. Sie ist mit 20 ihrer Tierportraits in einem Raum des Kunstmuseums vertreten.

Die aktuelle Ausstellung „Fallstudien“ beschäftigt sich nun mit der Werkgruppe der Aquarelle, der bisher noch keine eigene Ausstellung gewidmet war. Aus diesem Anlass erscheint in Kooperation mit dem Käthe Kollwitz Museum Köln ein Katalog mit etwa 140 Abb. der Arbeiten auf Papier und einem in das Werk einführender Text von Walter Grasskamp.

Karin Kneffels Bilder sind so simpel wie genau, so hintergründig ironisch wie verbindlich ernst. Nur dadurch wecken sie in uns Assoziationen und Empfindungen , die uns deutlich machen, warum wir in unserer Kultur der Vergegenwärtigung durch Kunst bedürfen. Dies geschieht hier in kollektiv verbindlichen Bildern - ausdrucksstark schön, ebenso verstörend wie konfliktreich. Sie steckt damit weitere Felder für die Kunst ab, intensiv und lässig zugleich. Das Selbstbewusstsein ihrer eigenen, neuen Bilddeutungen ist in jeder ihrer Arbeiten offenkundig abzulesen.

Die Eröffnung ist am Sonntag 10.05.2015 um 11:00. Einführende Worte spricht Dr. Joachim Kreibohm aus Bremen. Zur Ausstellung erscheint ausserdem eine Edition von Unikaten.

Freitag, 1. Mai 2015

Das Prinzip Hoffnung - Fotoausstellung

(Bremerhaven) Ulrich Mokrusch, Intendant des Stadttheaters Bremerhaven, läd zur Fotoausstellung „Das Prinzip Hoffnung“ im Oberen Foyer ein.

Weltweit sind 50 Millionen Menschen von Vertreibung betroffen, 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs stellen sich Fragen danach, wie offen oder geschlossen die Grenzen Europas sind und wie Deutschland Asylsuchende in die Gesellschaft aufnimmt, so Ulrich Mokrusch in der Einladung zu dieser Fotoausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem „Bremer Rat für Integration“ entstand.

Anlässlich aktueller Produktionen möchte das Stadttheater sein Publikum zu einem Diskurs über Krieg und Flucht damals und heute einladen. Die Bremer Fotografin Manja Herrmann hat hierfür Geflohene aus Bremen und Bremerhaven an ihren Lieblingsorten fotografiert. Was ihre Beweggründe für die Flucht, wie ihr Weg nach Deutschland war und was ihre Wünsche für ein Leben hier sind, erfahren die Besucher in Texten zu den Porträts der Geflohenen.

Die Ausstellung wird am 8. Mai 2015 um 17:00 im Stadttheater Bremerhaven feierlich eröffnet. Der Intendant ist persönlich anwesend und freut sich mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen

Donnerstag, 30. April 2015

Katalogpräsentation in der Kestnergesellschaft »FORT.works«

Künstlerinnenkollektiv "FORT" vor "Somebodies"
(Hannover) Der druckfrische Ausstellungskatalog des Künstlerinnenkollektivs FORT wird am Donnerstag den 7. Mai 2015 um 19 Uhr gefeiert mit Torte, Sekt und ihren Lieblingsliedern. Die Künstlerinnen sind anwesend.

Seit dem 28. März präsentiert die kestnergesellschaft eine sehr gut rezipierte Ausstellung der Künstlerinnengruppe FORT noch bis 25. Mai 2015. Das Kollektiv FORT bewegt sich wie ein Seismograf durch unsere Alltagswelt und spürt dabei gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ereignissen und Entwicklungen nach. So entwickelte FORT eigens für die Ausstellung »Shift« zwei neue Arbeiten, die neben der raumgreifenden Installation »Leck« (2012) und dem Video »The Calling« (2014) erstmalig im institutionellen Rahmen zu sehen sind. 

Der Ausstellungskatalog »FORT. works« erscheint im Snoeck Verlag (Köln) und enthält zahlreiche Abbildungen, sowie ein Essay von Kuratorin Lotte Dinse auf Deutsch und Englisch. Der Bildband im Format 23 x 31 cm umfasst 168 Seiten und kostet 32 Euro.

FORT sind Alberta Niemann (*1982 in Bremen) und Jenny Kropp (*1978 in Frankfurt am Main). Seit 2008 realisieren sie Installationen, Performances und Videoinstallationen (bis 2013 mit Anna Jandt, *1980 in Bremen). Ihre Arbeiten waren bereits im Kunsthaus Dresden (2013), im Neuen Museum Weserburg, Bremen (2009) und in den KW Berlin (2008) zu sehen. Sie waren u.a. an Gruppenausstellungen in der Bundeskunsthalle Bonn (»Andere Räume« 2012) und in den KW Berlin (»One on One«, 2012) beteiligt. 


Die Veranstaltung ist im regulären Eintrittspreis enthalten. KESTNERGESELLSCHAFT

Mittwoch, 29. April 2015

5 Jahre im Schnürschuh - Gut gegen Nordwind

(Bremen) Der Roman von Daniel Glattauer, für die Bühne bearbeitet von Ulrike Zemme und Daniel Glattauer, hat das Publikum Interesse behalten. Das Stück „Gut gegen Nordwind“ steht nun schon seit 5 Jahren auf dem Spielplan vom Theaterhaus Schnürschuh im Buntentorsteinweg.

Ein einziger falscher Buchstabe lässt Emmi Rothners Mail irrtümlich bei Leo Leike landen - und so erlebt der Zuschauer, wie sich die Homepage-Expertin und der beziehungsgeschädigte Kommunikationswissenschaftler näher kommen; so entsteht eine ganz besondere Brieffreundschaft im Internet-Zeitalter. Leo: „Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf“. Erstaunlich, wie wenig Worte notwendig sind, um Leidenschaft zu entfachen. Sie müssen nur richtig gewählt sein und zur rechten Zeit ankommen.

Regie: Kurt Wobbe. Mit Claudia Seidel, Frank Stuckenbrok INFO SCHNÜRSCHUH HB

08. Mai 2015 um 20.00 Uhr – 5 Jahre „Gut gegen Nordwind“, weitere Vorstellung am 22. Mai 2015 um 20.00 Uhr

Dienstag, 28. April 2015

Landesbühne tauft TheOs

(Wilhelmshaven) Das Kind hat einen Namen: Das neue Studiotheater der Landesbühne Niedersachsen Nord heißt „TheOs“ – Theater im Oceanis. Investorin Angelika Reichelt und Landesbühnenintendant Olaf Strieb haben das neue Theaterstudio am Bontekai getauft. Auf die Studiobühne in der Rheinstraße 91 folgt damit das „Theater im Oceanis“.

Die Bauarbeiten in dem ehemaligen Unterwasserkino sind in vollem Gange. Eröffnung ist am 13. Februar 2016 und das erste Stück auf neuen Brettern steht auch schon fest: „The Fantasticks“ – ein Musical, das als Off-Broadwayshow in New York 42 Jahre lang das Publikum begeisterte. Intendant Strieb selbst wird es inszenieren.
Wie in der Rheinstraße gibt es auch im „TheOs“ 99 Sitzplätze. Allerdings steigen die elf Zuschauerreihen steiler an als bisher und ermöglichen so von jedem Stuhl aus einen idealen Blick auf die Bühne. Die ebenerdigen Fensterfronten lassen sich komplett öffnen. Dem Zuschauer kann so in der Pause der direkte Zugang zur Flaniermeile Bontekai ermöglicht werden.


Strieb legt großen Wert darauf, dass „die heimelige und intime Studioatmosphäre“ erhalten bleibt. Der neue Hinterbühnen-Bereich wird theatergerecht ausgestattet mit Garderoben, Lagerkapazitäten und dergleichen mehr. Der gemeinsame Eingang von Gastronomie und Theater wird barrierefrei, ebenso die sanitären Anlagen. Für den Gastronomiebetrieb ist auch schon ein Betreiber gefunden. Für Olaf Strieb geht mit dem „TheOs“ ein Traum in Erfüllung: „Jeder Intendant möchte einmal in seiner Laufbahn ein neues Theater eröffnen.“

Internationales Tanzerlebnis im Lichthof Theater

DWC-PACK by Greg Blackmon, Shaffer and Vernon © by Cuinn Wharton
(Hamburg) Anfang Mai prickelt es im Lichthof Theater! Mit DanceWorks Chicago (DWC) und dem Bundesjugendballett (BJB) sind zwei hochrangige Tanzkompanien zu Gast um dort gemeinsam zu arbeiten und zu produzieren. Das Lichthof Theater zeigt sich als Ort für experimentelle Begegnung auf internationalem Niveau und verbindet dabei die OFF-Theaterszene mit dem Genre Ballett, was gewöhnlich dem Bereich der Hochkultur zugeordnet wird. Das Publikum kann in zwei offenen Proben hautnah miterleben, wie DWC und BJB im Zuge konkreter, gemeinsamer Arbeit unterschiedliche Formen und Herangehensweisen an den Tanz miteinander entdecken.

Eine Woche lang proben das BJB und DWC am Lichthof Theater und kommen so zu einer gemeinsamen Kreation: „Outside of the Box - A Dance Journey“. Die zwei Tanzkompanien sind sich in ihrem Mut zu neuen künstlerischen Konzepten und in ihren Wertvorstellungen über dem Tanz sehr ähnlich. Eine enge Bindung zum Publikum und die Nähe der Kunst zu den Menschen sind beiden Gruppen zentrale Anliegen.

Der Austausch bietet den Ensembles die Möglichkeit, durch Trainings, Mentorship, kreative Zusammenarbeit und gemeinsame Auftritte ihre Perspektive auf den Tanz miteinander zu teilen. Die Leidenschaft, die DWC und das BJB für den Tanz mitbringen, macht ihre Kunst auch zur Begegnung mit dem Publikum, und wirkt auf eine globale Tanzgemeinschaft hin. „Outside of the Box“ ist eine einzigartige Möglichkeit, Künstler von internationalem Format in Kollaboration mit dem großartigen Bundjugendballett zu erleben.

Offene Proben sind am 05. + 06.Mai jeweils um 16:00. Der Eintritt zu den offenen Proben ist frei. Eine Anmeldung wird erbeten da maximal 50 Plätze zur Verfügung stehen. 

Premiere ist am 09.Mai um 20:15. Weitere Vorstellungen am 10.Mai um 15:00 und 18:00. Tickets: lichthof-theater.de

Sonntag, 26. April 2015

„Endlich Kokain“ - Sprungbrett ins Leben

Matthieu Svetchine © by Jörg Landsberg
(Bremen) Der Roman von Joachim Lottmann „Endlich Kokain“ ist ein Weckruf an die Lethargie. Gestern war die Premiere der Roman-Dramatisierung im ausverkauften Kleinen Haus am Theater Bremen. Die gestaute Energie in uns allen, der Frust mit dem wir uns arrangiert haben hinterlässt ein riesiges Potential für Lebensfreude. Doch wie befreien wir uns aus dem Koma? Der Roman und die Inszenierung handeln von der mächtigen Anstrengung die nötig ist, um uns wieder ins leben zu stürzen. Und für den Protagonisten bedeutet es alles zu geben, auch wenn es sein Leben kosten wird.

Zwischen Szene und Publikum hängt eine hauchdünne durchsichtige Spiegelfolie. Das Publikum betrachtet sich beim Einlass selbst. Und wie eine Metapher die zum Charakter von Kokain Süchtigen passt, springt plötzlich in der ersten Reihe eine Person auf und ruft durchs Theater - winkt zu den hinteren Reihen: Sie hat Verwandte entdeckt, begrüßt sie rufend, den Ort, den Anstand, die Peinlichkeit, die Öffentlichkeit missachtend. - Was macht der Stoff aus uns? Er öffnet die Schranken, die eine gebotene Zurückhaltung für ein funktionierendes Zusammenleben erfordert. Man fühlt sich befreit und berufen, sich direkt und persönlich auszuweiten, mitzuteilen, zu leben - ungezwungen und natürlich. Allerdings führt die Sucht auch zu der überheblichen Einschätzung das Recht zu haben alles zu tun, was man im jeweiligen Moment will. Es führt zu Arroganz, zu übertriebenem Egoismus, und man verliert den Kontakt zu den Referenzen an die reale Umwelt, von der man sich immer weniger verstanden fühlt. Doch wie groß fühlt sich die notwendige Bewegung an um aus geronnene Zustände herauszutreten?

Die Roman-Vorlage von Joachim Lottmann „Endlich Kokain“ stellt ein Bild in den Mittelpunkt die diese Wirkungsweisen aufgreift und in vielen Facetten spiegelt. Ein übergewichtiger Mann über 50 hockt in seiner aufgestauten Lebensenergie teilnahmslos am Ende der Sackgasse seines Lebens. Dann entdeckt er Kokain als Mittel Körpergewicht zu verlieren, aktiv zu werden. Der Bezug der Droge lässt ihn in eine Welt eintreten die durch den Konsum und den oben beschrieben Wirkungsweisen gekennzeichnet ist. So wie sich im Antiquariat verstaubte Leseratten verpuppen, man im Aldi Leute findet die Aldi sind, im Tabakwaren Geschäft Raucher trifft, so ist die Welt der Kokser anfänglich zwar neu, doch schon sehr bald der Ort an dem man Gleiche unter Gleichen findet. Joachim Lottmann trumpft hier mit einer unendlichen Liste prominenter Namen auf, die (vermutlich) alle mit Kokain in Verbindung gebracht werden können. Koks ist teuer, verändert die Psyche und Physis des Konsumenten nur schleichend, wodurch die Droge auch im engen Bekanntenkreis leicht geheim gehalten werden kann. Optimal für Leute die im Rampenlicht stehen.

Matthieu Svetchine, Gabriele Möller-Lukasz, Pola Lia Schulten © by Jörg Landsberg
Ein raffiniertes Regiekonzept stellte Pedro Martins Beja auf. In einer vielschichtigen Art zeigt er das Erleben der Droge aus der Sicht des Protagonisten Stephan Braum; beeindruckend charakterlich dargestellt von Matthieu Svetchine. Svetchine gibt eine konkrete Innenschau vom phlegmatisch Resignierten, dem erwachenden Mittfünfziger, dem berauschten Zweiten-Frühling-Geniesser, dem im Kokain-Kosmos etablierten Realitätsfälscher und zuletzt dem im Rausch scheiternden Suchtopfer. Die Inszenierung hat einen Schwerpunkt auf den Blickwinkel. Hier wird eine Brücke geschlagen von den Darstellungsmöglichkeiten des Films zum Theater. Im Film kann man in nahezu realistischem Erleben Zeitgeschwindigkeiten beeinflussen, und durch den POV (Point of View) unmittelbare Reaktionen erzeugen/bewerten. Was Theater vom Film aber trennt, ist die Schnitttechnik und den unverzüglichen Wechsel von Bild zu Bild. Pedro Martins Beja schafft hier eine Verbindung, in dem er wie z.B. vergleichbar mit einem Splitscreen Bilder nebeneinander zeigt. So sieht man wie Braum auf der Bühne in die Kamera spricht, und zusätzlich ein Close up in einer großen Projektion am Bühnenrand. Bühnentotale und delikate Reaktionen stehen ergänzend nebeneinander. Diese Form nutzt er auch für Dialoge, insbesondere im reaktion shot, der auf der Bühne in seiner Unmittelbarkeit/Gleichzeitigkeit unmöglich ist.

Drei in weißem Latex gekleidete Frauen, einem griechischem Chor gleich, führen durch die Geschichte. Sie sind stellvertretend für unterschiedliche Personen mit denen Braum zu tun hat. Sie tauchen wie aus dem Nichts auf, sprechen von der Bühne, aus dem Off oder in eine der vielen Kameras. Sie sind die Geister in der verkoksten Welt Braums, sie sind der innere Dialog Braums, sie sind konkret irreal und manifestieren die Verschiebung von Braums Erlebniswelten. Die Bühne ist im Erleben verortet. Gegenlicht zeigt manchmal nur Silhouetten, die Spiegelfolie an der Rampe ist wie ein Schleier in eine andere Welt, die Musik dröhnt schon mal martialisch wie im Kino, und mit den Mikroports kommt die Sprache wie aus einer fernen Galaxy mit Übertragungsschwierigkeiten wegen psychologisch bedingter Wurmlöcher. 

Eine sehr intelligent gestaltete Inszenierung die dem Spannungsfeld von Kokainrausch und normaler Tristesse beeindruckend erzählerischen Raum gibt. Lediglich der etwas prosaische Prolog und das ausufernde Schlussbild hinterlassen einen Eindruck von Länge. Mutiges Theater für ein modernes aufgewecktes Publikum. Thema und Inszenierung lassen eigentlich keinen Zweifel: „Endlich Kokain“ wird auch in ein/zwei Jahren im Kino zu sehen sein.


Weitere Termine für Endlich Kokain nach dem Roman von Joachim Lottmann sind am 30. April, 11. und 28. Mai jeweils um 20:00

Dienstag, 21. April 2015

"Kultur-News 009" Das neue Heft ist da

(Wanna) Installationen ist das Thema der aktuellen Ausgabe der Kultur-News 009. Das Magazin ist in Bremerhaven am Bahnhof zu bekommen und in der Buchhandlung Mausbuch, in der Hafenstr. 81, 27576 Bremerhaven. Neben dem ausführlichen Produktionsbericht über das neue Stück "Wildwald" vom Figuren Theater Anderland, das am 30.April Premiere im Schlachthof Bremen hat, gibt es auch eine interessante Reportage über das Schattentheater in Lehrte.

Falls die Hefte am Bahnhof und bei der Buchhandlung Mausbuch schon vergriffen sein sollten, kann man das Heft auch direkt beim Verlag (eigene.werte) bestellen. eigene.werte@t-online.de

Machtspiele - brandneue, unerhörte und ungehörte Theaterstücke

Andreas Schnell + Helge Tramsen
(Bremen) So viel steht Mal fest; wenn StückWerk Bremen zeitgenössische Literatur vorstellt gibt es einen sehenswerten Theaterabend. Am Montag gab es die rumänischen Autoren, Gianina Carbunaria von der das Stück „Spargel“ vorgetragen wurde, und von Elise Wilk „Zimmer 701“. Die Herausgeberin Irina Wolf vom Verlag Theater der Zeit sprach einige einleitende Worte.

Ein Spargelstecher in England schiebt durch den Supermarkt und trifft auf den verarmten Pensionär der auf abgelaufene Ware spekuliert. In leidenschaftlicher gegenseitiger Abneigung monologisieren sie, in Vorurteile schwelgend, über den jeweils anderen. Ganz beiläufig kommen die sozialkritischen Bemerkungen zum Vorschein wenn die Monologe ineinander zu einem großen Ganzen verfließen. Obwohl die beiden Charaktere gegensätzliche Standpunkte vertreten, klagen sie aus der selben Quelle vermaledeiter Umstände. Während die beiden auf Preisreduzierung wegen des Verfallsdatums spekulieren, werden sie von einer Horde polnischer Gastarbeiter überrannt, die ihnen die Angebote vor der Nase weg schnappen.

Ulrike Knospe + Angela Weinzierl
Im Hotelzimmer 701 sieht man zwei unabhängige Szenen. Einmal kommt da die ältere Chefin mit der jungen Angestellten. Die Ältere ist deutlich angetrunken, und versucht - nicht ungeübt - eine intime Annäherung bei der untergebenen Kollegin. Als diese sich schockiert zeigt und die Avancen strickt von sich weist, gerät die Ältere in Erklärungsnot und versucht sich mit einem Geflecht aus Lügen von Scham und Versagungsängsten aus der Affäre zu ziehen. Mit jedem Satz tun sich neue Abgründe zwischen den beiden Frauen auf die von Ulrike Knospe und Angela Weinzierl mit Verve zum Besten gegeben wurden.

In der zweiten Szene im gleichen Hotelzimmer wird es noch einmal skurill. Andreas Schnell, als verlassener Ehemann, hat sich einen Striper aufs Zimmer bestellt, um sich zu „informieren“ wie man sich richtig die Klamotten vom Leibe streift. Damit hatte der Striper, Helge Tramsen, nicht gerechnet, und es wird ihm unwohl zu Mute. Will der gehörnte Ehemann wirklich nur die Technik des Striptease erfahren um seine Frau damit zu überraschen und zurück gewinnen, oder verbirgt sich noch etwas anderes hinter diesem Wunsch? Hotelzimmer bringen immer eine Atmosphäre von Einsamkeit und Trostlosigkeit mit sich. Auf höchst amüsante Weise und mit mutigem Körpereinsatz wurde dieses Flair der Hotelzimmer Gestalten von den Darstellern gezeigt. 


Das kleine klubartige Theaterformat ist eine niveauvolle Einrichtung die in Bremen gefehlt hat. Seit einigen Monaten schon, immer an einem Montag im Falstaff, zeigt StückWerk Bremen einen Einblick in zeitgenössische Literatur. Ein schon fast haptischer Einstieg in aktuelle Texte, die mit Witz und Spielfreude für kurze Momente zwischen den Buchdeckeln heraus gehoben werden. Weitere Termine findet man hier

Sonntag, 19. April 2015

Hauptsache Frei #1 - Freie Theater Szene HH

Hartmut Fiegen, Andrea zum Felde und Thomas Esser (Plan B)
(Hamburg) In der vergangenen Woche fand das erste Festival der Darstellenden Künste Hamburgs „Hauptsache Frei #1“ statt. Von Mittwoch bis Samstag wurde eine Fülle von unterschiedlichen Veranstaltungen in den vier Theater, K3 | Tanzplan Hamburg, Lichthof Theater, Monsun Theater und im Sprechwerk angeboten. Nach einer ersten Einschätzung von Ulrike Steffel aus dem Leitungsteam, wurden die Erwartungen der Besucherzahlen sogar übertroffen. Mit einem gesamten Förderbetrag in Höhe von 180.000,00€ für drei Jahre ist das Budget zwar nicht besonders üppig, jedoch mit viel Einsatz und kreativen Ideen ist ein bemerkenswert intensives und abwechslungsreiches Programm entstanden. Das hohe Engagement wird getragen vom Bündnis für Festivals der freien Tanz- und Theaterschaffenden Hamburgs e.V..

Neben den elf Gruppen die mit Inszenierungen für den Wettbewerb um drei Preise angetreten sind, gab es noch die Bereiche Workshops, Beratung, Diskurse, Freiraum und diverse Extras. Die freie Theater Szene ist aktiv in vielen Sparten: Sprechtheater, Tanz, Performance und die vielen neu entstehenden Kategorien. So zeigt das KBB (Künstlerisches Bedarfs Büro) den künstlerischen Umgang mit all den verwaltungs- und organisatorischen Arbeiten die geschätzte 70% der gesamten Schaffenszeit in Anspruch nehmen. Es entstehen aber auch immer wieder neue Formen die noch keine Kategorie haben. So z.B. cobradogs.cobra die auf einem öffentlichen Platz an der Alster den ersten HHT (Hamburger-Hunde-Tag) zur Performance brachten. Für diesen innovativen Beitrag mit Inhalten wie den Schinken-Mann oder Hundehypnose, Hunde-Fotostudio, Streicheldeinenhundsolangedukannst-Wettbewerb, wurde der Gruppe der Nachwuchspreis verliehen. Ältere Formate, wie die sog. Hildesheimer Schule, war vertreten durch Theater Plan B. Sie zelebrierten aus Anlass des 20 jährigen Bestehens eine Verfallsstudie, und erklärten ihre Theater/Schauspielkörper zu Gammelfleisch. Eine sarkastisch, ironische Selbstanalyse in der gewohnten Weise, bei der sie Fakten sammeln und diese künstlerisch aufbereiten um sie dann in einer schauspielerisch- dokumentarischen Performance aufzuführen. Ein Augenzwinkern auf den Innovationszwang um förderungswürdig zu bleiben war nicht zu übersehen. Man konnte zu der Überlegung kommen, ob die Akteure der freien Theater Szene überhaupt alt und erfahren werden dürfen. Eine Thematik die nach 25 Jahren Freiem Theater schon sehr bald deutlicher zur Sprache kommen wird.

Nach jeder Vorstellung konnten die Zuschauer auf einem Stimmzettel eine Bewertung von 1 bis 5 abgeben. Die Stimmen wurden ausgezählt unter Berücksichtigung der möglichen Zuschauerzahlen, und so wurde ein Publikumspreis ermittelt. Der ging in diesem ersten Jahr an die Kompanie Meyer&Kowski mit der Inszenierung „Nirvana sehen“ in der Regie von Marc von Henning mit Ute Hannig. In dem Stück, das in einem Schulungssaal des Uni.-Klinikums Eppendorf gezeigt wurde, ging es um zwei medizinische Erlebnisse die zu einer Nirvana-Erfahrung führten.

Der Jurypreis ging an das Performance Duett Helen Schröder und Ekaterina Statkus. Sie griffen die Notwendigkeit auf, Referenzschreiben zu organisieren um eine Empfehlung für die Teilnahme an Competitions zu bekommen. Der Preis wurde nach folgenden Gesichtspunkten verliehen: 1. Hohe professionelle oder künstlerische Umsetzung, 2 konzeptionelle-dramaturgische Kohärenz, 3. innovative Ästhetik/Form, 4. gesellschaftliche Relevanz der Thematik, 5. individuelle künstlerische Handschrift und zuletzt Unterhaltungswert. Die beiden Künstlerinnen zeichneten sich durch einen trockenen Humor aus, der in Verbindung mit ihren überraschenden Pointen zu einem hochintelligenten Erlebnis transzendierte. Nach diesem gelungenen Auftakt der Festivalreihe darf man gespannt sein wie sich Hauptsache Frei #2 im kommenden Jahr fortsetzt.  Hauptsache Frei Hamburg

Freitag, 17. April 2015

Die Zeit der Kirschen

Lotte Rudhart + Julian Stierle © by Jörg Landsberg
(Bremen) Samir Akika zeigt mit Unusual Symptoms den Tanzabend „Zeit der Kirschen“ im Theater Bremen. Eine Hommage an den französischen Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur Jacques Tati, der mit nur fünf Filmen und einem nicht realisierten Drehbuch eine bedeutende Figur der Filmgeschichte war.

Tempo, Stil und Witz hätte man nicht besser von der Leinwand auf die Bühne bringen können. Es ist ein erfrischendes Bekenntnis zum Genre Film und zu Tati. Akika und Unusual Symptoms finden eine eigene Form, die sowohl erzählend ist und ebenso die non verbale Kommunikation von Film oder Tanz nutzt. Mit der Leichtigkeit des Slapsticks schwingt es von Szene zu Szene. Auf der anfangs fast leeren Bühne tauchen immer mehr Elemente auf, bis zum Schluss eine futuristische Villa mit Gartenanlage die gesamte Bühne einnimmt.

Frederik Rohn + Paolo Fosse © by Jörg Landsberg
Man muss kein Kenner der Filme Tatis sein um voll auf seine Kosten zu kommen. Cineasten werden allerdings sofort die Referenzen zu seinen Filmen erkennen. Es beginnt mit Tatis Alter Ego Hulot der sich durch die völlig irrsinnige Zuvielisation kämpft um eine Genehmigung von der Verwaltung zu erhalten. Dabei kommt er in Konflikt mit zukunftsweisenden Technik-Spielereien, die wir heute alle als Gott (?) gegeben hinnehmen. Kritik mit einem Lächeln die auch schon Mal eine direkte Verbindung mit dem Publikum herstellt. Mit hintergründigem Humor sprießen futuristische Blüten, erdacht in den 50er und 60er Jahren, die in ihrer Absurdität auch heute noch überraschen. In der bekannten Weise von Akika / Unusual Symptoms ist die life gespielte Musik ein wesentlicher Teil der Aufführung. Der dynamische Dialog zwischen Klangwelt (jayrope, Lotte Rudhart) und dem Ensemble lässt stimmungsvolle Welten entstehen, die zum Teil parallel spielen wie auf einem Split Screen.

Die Ferien des Monsieur Hulot, zeigt erstmals Tatis Alter Ego, einen liebenswürdigen Individualisten mit Hut, Trenchcoat und langer Pfeife, der in einem vergeblichen Kampf mit der modernen Zivilisation und deren Umgangsformen verstrickt ist. In dem Oscar nominierten Drehbuch kommen so gut wie keine verständlichen Dialoge vor. Zum einen gibt der Antiheld keine verständlichen Worte von sich, und zum anderen wollte Tati auf Hintergrundgeräusche nicht verzichten, weil sie als wesentliche Bestandteile der Umwelt unsere Gefühle beeinflussen.

Weitere Vorstellungstermine sind heute Abend um 20:00 Uhr, so wie am 26. 04 um 18:30 Uhr, 02.05. + 19. 05. jeweils um 20:00 Uhr.

Donnerstag, 16. April 2015

Flausen - Young Artists in Residence

(Oldenburg) Flausen, das ist ein Förderprogramm der Forschung für die Bühnenkunst.  Weiterbildung ist in allen Bereichen der Wirtschaft der Normalzustand. In den Wissenschaften wird immer Forschung betrieben, um mit neuen Erkenntnissen und größerem Sachverstand die physische Welt zu erklären, nicht zuletzt um innovative Produkte zu erzeugen, die unser aller Leben betreffen. Seltsamerweise ist diese Art der Qualifizierung im Freien Theater keine Selbstverständlichkeit. Das Theater Wrede+ in Oldenburg hat ein Programm aufgestellt, dass vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen, der Stadt Oldenburg und der NORD/LB Kulturstiftung gefördert wird, und den Titel trägt: flausen+ young artists in residence. Mit diesem Programm wird es jungen Theatermachern ermöglicht kreative Forschung zu betreiben um ihren Stil zu finden, kreative Fragen zu stellen und zu ergründen, oder auch neue Theaterformen zu entwickeln. Das Programm bietet den Raum damit sich junge Künstler mit ihren „Flausen“ ernsthaft beschäftigen können.

Für dieses Jahr hatten sich 160 Gruppen beworben, von denen vier ausgewählt wurden. Das Theater Wrede+ stellt den Raum für vier Wochen zur Verfügung sowie grundlegende Requisiten und die Unterkunft für diese Zeit. Ausserdem werden die jeweiligen Gruppen im Forschungsprozess von erfahrenen Theaterleuten betreut die mit Kritik, Impulsen und Dialog zur Seite stehen. Nach vier Wochen zeigen die Gruppen dann einen Zustand, der keineswegs etwas Fertiges sein muss. Denn vor allem die Möglichkeit des Scheiterns soll ihnen die Freiheit geben etwas zu wagen ohne Druck auf ein verwertbares Ergebnis; eine wichtige Voraussetzung für jede ernstzunehmende Forschung.

Am Dienstag war das Making of von flausen #14 zu sehen. Unter dem Arbeitstitel: Wir rufen dich Galaktika, oder: Endlich ist die Hoffnung tot, gaben André Lewski, Lee Meir, Julia Katzer und Ulrich Weller einen Einblick in ihre Arbeit. Dem Initiator dieser Gruppe, der gebürtige Oldenburger André Lewski, beschäftigte die Frage ob sich Konsum und Entertainment in immer gleicher Weise fortschreiben und wie damit umzugehen sei? Soll man die Sehnsucht nach etwas besserem begraben, oder nach Möglichkeiten suchen es anders zu machen. Wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, wäre es dann nicht besser sie endlich zu begraben um ein Tor zu öffnen für etwas neues, jenseits von Wirtschaftskrisen, drohenden Weltkriegen und Fremdenhass?

Über verschiedene Formen und theatrale Arbeitsansätze näherten sie sich mit Sprache, Objekten und Improvisationen ihrer Aufgabe. Nach intensiver Beschäftigung bildeten sich stimmige Momente mit denen sie konkret weiter arbeiteten. Der Versuch mit Text zu arbeiten führte dazu das die konkrete Logik übermächtig wurde und zu wenig Möglichkeiten eröffnete. In langen Improvisationen näherten sie sich einer körperlichen Überforderung an, um auf andre Erlebnisebenen zu kommen. „Wir arbeiteten mit allen Sinnen.“ so die Tänzerin Lee Meir.

Nach zwei Wochen intensiver Arbeit sind sie dann auf die Straße gegangen und haben Leute interviewt. Die Antworten waren oberflächlich, unreflektiert und stereotyp. Eine qualifizierte Antwort konnten sie nicht bekommen. Die Leute sind in ihrer kleinen Welt beschäftigt, und betrachten gesellschaftliche Veränderung aus ihrer klein fokussierten Perspektive. Also gingen Sie zurück auf die Bühne und improvisierten die Antworten in überspitzter Form. Das führte wieder zu anderen Improvisationen.


Während des Abends konnten die Zuschauer Fragen stellen um einen tieferen Einblick in Arbeitsweise und Erfahrungen der Gruppe und ihre Forschung zu bekommen. Neben einigen sehr interessierten Besuchern waren auch Winfried Wrede vom Theater Wrede+ und Veit Sprenger von Beat Le Mot, Berlin als Mentoren des Projektes anwesend. Es entstand eine rege Gesprächsrunde, bei der die Künstler einiges wertvolles Feedback erhielten. Die zwei Stunden dauernde Präsentation verging wie im Flug. Natürlich sind für eine derartige Arbeit vier Wochen viel zu kurz. Dennoch zeigen sich André Lewski, Lee Meir, Julia Katzer und Ulrich Weller sehr zufrieden und glücklich diese Chance der Forschung bekommen zu haben. Flausen zeigt einmal mehr wie wichtig es ist auf professionellem Wege innovative Grundlagenforschung auch im Freien Theater zu fördern. INFOS zu FLAUSEN